Dienstag, 6. Juli 2010

Zur Feier des Tages ein Moose, bitte!

3. Juli 2010:

Neuer Tag, neues Wanderteam. Diesmal fahren wir gemeinsam zum Startpunkt und trennen uns dort. Ich gehe mit Sophie einen 5km Hike zu den Bakers Brook Falls. Da wir sehr zeitig unterwegs sind, die anderen Zelt- und Cabinbewohner sicher noch schlafen, hoffen wir auf ein morgendliches Moosetreffen. Wir schleichen erwartungsvoll durch den Wald und durch die Sumpflandschaft. Die Kamera immer bereit zum sofortigen Abdrücken. Wir sehen Hufspuren, die meinen Wanderschuhen in nichts nachstehen. Hier müssen Elche leben! Auch im Matsch war scheinbar eine Mooseparty, wachteleigroßer Köttel liegt überall. Plötzlich knackt es, wir schon ganz aufgeregt – nicht das wir gefressen werden! Aber nein, uns kommen nur zwei Frühaufsteher-Touris entgegen. Wie ist das denn möglich?! Haben die hier genächtigt? Bestimmt haben die all das schlummernde Großwild verjagt. Nix mit Moose-Watching. Also konzentrieren wir uns auf die Pflanzenwelt. Ist ja auch ganz spannend. Blaue Iris hier, weiße Orchideen da und zwischendrin immer diese tolle Pitcher-Plant. Das sind gefährliche fleischfressende Monsterblumen, die sicher ein ganzes Moose verschlingen können :-) Nach einer reichlichen Stunde dringt ein Rauschen an unsere Ohren, wir nähern uns also dem Ziel. Und tatsächlich sehen wir einen beachtlichen Wasserfall. Der Himmel ist strahlend blau und wir können ganz allein diesen hübschen Anblick genießen. Nach einem Müslisnack machen wir uns flinken Fußes auf den Rückweg. Dabei treffen wir auf einen älteren Herrn, der uns ganz begeistert all seine Blüten-Makroaufnahmen zeigt. Wir sind etwas neidisch und achten nun ganz penibel auf die Wegrandfauna. Hoffentlich hat uns dabei kein Elch aus dem Dickicht beobachtet…

Auf dem Parkplatz werden wir schon erwartet. Wir beeilen uns, damit wir pünktlich ins Ocean View kommen. Jaja, auch in der Pampa lassen wir uns das Deutschlandspiel nicht entgehen. Es war auch nicht ganz so einfach, ein Hotel zu finden, das 1. einen Fernseher besitzt, der 2. funktioniert und 3. auch Fußball ausgestrahlt wird. Tatsächlich wurden die Mädels gefragt, was denn so spannendes auf CBC gezeigt wird. Im Hotel hat sich schon eine kleine Gruppe versammelt, der Fernseher springt nach wenigen Minuten auch endlich ins richtige Programm. Circa 30 deutsche Fans und eine argentinische Familie fiebern mit. Nach dem tollen Spiel beschließen wir, den Sieg mit einem Grillabend zu feiern.

In Partystimmung fahren wir nach Norden zum Broom Point. Dort schauen wir uns die verlassenen Häuser einer alten Fischerfamilie an. Die 3 Brüder haben vor Jahren ihr gesamtes Hab und Gut an den Nationalpark verkauft. So ist alles - von Tapete, über Hummerfallen bis hin zum Nachttöpfchen – erhalten und in den Hütten zu besichtigen. Wir kehren widerwillig in die Gegenwart zurück und fahren zum Western Brook Pond. Fast wäre ich eingeschlummert, hätte Sophie nicht plötzlich gebremst. Irgendwas steht an der Straße. Mit Geweih und weiß-braunem Fell. Ein Moose! Wir springen aus dem Auto, knipsen wie wild. Das Tier hat überhaupt keine Eile und scheint das Fotoshooting zu genießen. Mittlerweile stehen 5 Autos am Straßenrand. Wir vergessen dabei fast, dass wir noch eine Bootstour auf dem Plan haben. Der Elch trollt sich und wir düsen zum Fjörd. Fast rennend bewältigen wir die 3km bis zur Bootsstation. Da wir 2min vor Abfahrt eintreffen, werden wir nicht mal nach unseren Parkausweisen gefragt. Glück gehabt und Geld gespart. Wir haben die ganzen Tage auf die Investition von knapp 10 CAD pro Person verzichtet. Fix ins Boot gesprungen, schon steht der nächste Elch am Wasser. Der gute Kerl ist etwas schüchtern, sodass wir Mühe haben, ihn überhaupt am Ufer auszumachen. Bei den sich anschließenden Tierdiskussionen kommt der Verdacht auf, dass wir gar keinen Elch, sondern ein Karibu gesehen haben. Wir sind etwas enttäuscht, aber es wird uns versichert, dass Karibus viel seltener im Park gesichtet werden. Davon leben nur 500 Stück im Park, Elche gibt es 10x so viele. (Wir zeigen die Fotos am nächsten Tag in der Touristeninfo. Dort bestätigt man den Karibu-Verdacht.) Je weiter wir in den Fjörd fahren, desto besser wird das Wetter. Die Wolken reißen auf, die Sonne scheint. Wir sehen riesige Felswände, kleine Wasserfälle und hören neufundländische Musik. Klar ist das ziemlicher Massentourismus, aber zu Fuß braucht man Tage, um bis ans Ende des Fjörds zu schwimmen. Mit dem Boot braucht man nur eine Stunde und wird auch nur an den Füßen nass.

Bevor der Akku der Kamera schwächeln kann, sind wir schon wieder auf dem Rückweg. Wir sammeln Stefanie ein und gehen in den Supermarkt. Tante-Emma-Laden trifft wohl eher zu. Die Auswahl ist ernüchternd. Kein Grillgut in den Regalen, keine Maiskolben in der Gemüseabteilung. Wir fragen, wo man denn so was bekommt. Der Typ führt uns zu einer Kühltruhe und – Sesam öffne sich – dort lagern Steaks, Schnitzel und Geflügelbeinchen. Aber nein, nicht wie bei uns fein säuberlich in Kartons. Hier paniert die Oma noch selbst zu Hause, wiegt ab, stopft alles in Gefrierbeutelchen und schreibt (ohne Angabe eines Haltbarkeitsdatums, logo) den Preis drauf. Erst sind wir skeptisch, dann wühlen wir doch in der Truhe nach den Hühnerteilchen. Alle Keime werden später ohnehin totgeröstet. Gegen 8 treffen die anderen Mädels vor unserer Cabin ein. Wir entfachen das Feuer in unserem Gasgrill und feiern den grandiosen Sieg. Die Mädels haben sogar Süßkartoffeln, frischen Lachs und Nudelsalat beschafft, alles wird verkostet. Unsere panierten Hühnerbeinchen schmecken ebenfalls toll. Wir essen, bis wir fast platzen. Das Wetter wird zunehmend ungemütlich, sodass wir alles vor dem nahenden Sturm in Sicherheit bringen und uns ebenfalls in die Cabin flüchten.


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