Samstag, 24. Juli 2010

Darf's ein bisschen Lachs sein?

22. Juli 2010:

Leider kann ich mich nicht mehr an meinen nächtlichen Traum erinnern, aber sicherlich hat das Haus am Meer eine Rolle gespielt. Mein Auftrag für heute: mit Dr. O’Dea die Details zum Umzug klären. Das passt ganz gut, hat er doch den ganzen Tag im Health Science Centre Sprechstunde. Ich lasse mich also wieder dafür einteilen und gehe ohne Umschweife nach der Visite nach unten. Ich bin kaum zur Tür rein, da fragt er auch schon, ob ich mit Sophie gesprochen hab. Zu allem Überfluss hängen die Schwestern, Gipspfleger und der Shadowing Student mit im Zimmer rum. Alle lauschen interessiert unserem Gespräch. Völlig aus dem Konzept, habe ich Mühe mich gescheit zu artikulieren. So eine Nebensächlichkeit ist der bevorstehende Umzug nun doch nicht für uns. Das kann ich unmöglich auf 3 Sätze herunterbrechen und in wenigen Sekunden klären. Paddy, einer der Gipspfleger, kommt mir zu Hilfe und erklärt mir das Prinzip des „Housesittings“. Es wäre in Neufundland ganz normal, sein Haus in der Urlaubszeit von anderen bewohnen zu lassen. Viele Familien bezahlen sogar professionelle Housesitter dafür. Damit hat man Pflanzenpflege, Haustierversorgung und Einbrecherabschreckung perfekt vereint. Dass andere (fremde) Leute das eigene Haus bewohnen, finden die Kanadier überhaupt nicht komisch. Im Gegenteil, Paddy kann es sich nicht mehr anders vorstellen. Er fragt mich ganz verdutzt, wie denn unsere Blumen in der Urlaubszeit überleben und die Katze nicht verhungert. Nach diesem erleuchtenden Gespräch sehe ich dem Umzug etwas gelassener entgegen.

Am Nachmittag haben wir wieder volles Programm. Wir beeilen uns im Gym, damit wir vor Ladenschluss noch einkaufen können. Mit all den leckeren Sachen bepackt geht es zum Hauptquartier der Iraner. Dort hat Moazzes schon alles bereitgestellt und seine neuen Lieblingshits laufen im Wohnzimmer (Was wird er wohl hören?). Der frische Lachs war alle, sodass die tiefgefrorenen Fische in der Mikrowelle auf ihren großen Auftritt vorbereitet werden müssen. Wir kochen eine riesige Menge Spaghetti mit Lachs- und Tomatensoße. Das Essen schmeckt ausgezeichnet, die Lachssoße könnte ein 5-Sterne-Koch kreiert haben. Der schmächtige Hakar verschlingt 3 riesige Portionen in beachtlicher Geschwindigkeit. Joseph will das Rezept von uns wissen, um seine Freundin am Wochenende damit zu beeindrucken. Wir nutzen die Gunst der Stunde und überzeugen die Jungs von einem iranischen Kochabend. Momentan sind wir aber noch viel zu genudelt, um einen passenden Abend dafür abzustimmen.

Der 15minütige Verdauungsspaziergang zurück zum Hatcher House kommt uns da sehr gelegen. Allerdings artet die Gemütlichkeit noch in Sport aus, als es zu schütten beginnt. Wir legen einen flotten Sprint hin, um nicht pitschnass anzukommen.


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