Mittwoch, 7. Juli 2010

2014

6. & 7. Juli 2010:
Am Dienstag ist etwas völlig unerwartetes passiert: ich wurde für 4 Stunden aus dem Krankenhaus entlassen, weil absolut nix zu tun war. Ich werde angepiepst, falls meine Hilfe benötigt wird, meinte der Resident. Klar, piep ruhig , als German Clerk bin ich über keinen Pager zu erreichen. Noch bevor er seinen Irrtum bemerken konnte, habe ich mich schnell aus dem Staub gemacht. So ist es mir allemal lieber, als wenn ich Stunden sinnentleert warte oder bei einer Knie-TEP zuschaue. Zu Hause habe ich mir endlich die zusätzlichen Decken organisiert, da es nachts immer so bitter kalt ist. Jetzt kann ich mich schön in meinen Schlafsack kuscheln und decke 3 dieser blauen Laken drüber. Natürlich habe ich auch pflichtbewusst in die Bücher geschaut und mich über Ankle Fractures belesen. Zum Tutorium um 3 war ich damit gut vorbereitet. Am Spind habe ich dann die anderen PJler getroffen, die sich auf den Heimweg machten, als es für mich erst in Runde 2 ging. Das Teaching war super, ich konnte mich auch wesentlich besser konzentrieren als nach 9 Stunden Ambulanz. Mit Herrn Weber und Lauge-Hansen bin ich jetzt per du. Sehr lustig klingen diese deutschen Namen, wenn man sie neufundländisch betont. Voller Energie ging's im Anschluss wieder ins Fitti zum üblichen Trainingsprogramm, wir wollen uns ja abends nicht langweilen.

Mittwoch, der Tag der Entscheidung, beginnt verregnet, aber dafür milder als erwartet. Mit T-Shirt, 2 Pullovern und Jacke komme ich auf dem Weg ins Krankenhaus fast ins Schwitzen. In der Ambulanz sehe ich abwechselnd gebrochene Beine und Arme. Alles wird geröntgt, durchbewegt und ins Dictaphone (echt cooler Name für einen Telefonhörer) gesprochen. Der Tag vergeht wie im Flug. Ständig werde ich nach meiner Prognose für das heutige Spiel gefragt. Festlegen mag ich mich nicht. Halb 3 bin ich etwas hibbelig, muss ich doch den Weg ins Duke zu Fuß bewältigen. Ich frage vorsichtig, ob ich mich auf die Socken machen kann. Natürlich werden die Clerks gleich mit nach Hause geschickt. Für sportliche Events scheinen die Kanadier Verständnis zu haben. Ich tigere ins Pub, komme sogar pünktlich um noch einen Stehplatz zu ergattern. Die folgenden 90 Minuten sind ja allgemein bekannt. Ich verzichte also auf jede Wertung. Mein Soccer-Clerk war ganz betrübt, er hat (im Gegensatz zu 90% der Zuschauer) Germany supported. Ich weiß jetzt schon, was morgen für Fragen und Mitleidsbekundungen auf mich einstürzen... Um uns zu trösten, suchen wir (5 deutsche Pjlerinnen) nach Nahrung. Frustessen. Wir kehren in ein indisches Restaurant ein und es gibt wunderbares Hühnchen mit Reis. Bei dem super Essen rückt die schmerzliche Niederlage in den Hintergrund. Immerhin gibt's in 4 Jahren die nächste Chance auf den heiß begehrten Titel :-)

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