Mittwoch, 28. Juli 2010

Sea-Kayaking

24. Juli 2010:

Ausschlafen können wir nur bis um 9, dann scheint die Sonne zu sehr in unser Zimmer und macht ein Weiterschlummern schier unmöglich. Aber aus so einem Anlass stehen wir doch gerne auf. Wir frühstücken in Ruhe und gehen gegen Mittag zum Corte Real, dem Treffpunkt für den heutigen Ausflug. Mit etwa 40 anderen Studenten geht es per Schulbus Richtung Süden. Zu unserer Überraschung fahren wir an Bay Bulls vorbei weiter nach Cape Boyle. Dort werden wir von den O’Briens schon erwartet und in hochmodische Schwimmwesten gesteckt. Ich teile mir mit Sophie ein farblich zu unserem Outfit abgestimmtes blaues Kajak. Meine Kenter-Bedenken, erweisen sich als völlig unbegründet. Man sitzt im Boot sehr bequem unter einer Art Plane, die am Bauch festgezurrt wird. Idealerweise bleiben alle distalen Körperpartien trocken. Auf geht’s in kleinen Grüppchen in den Ozean. Unsere Guides stoppen gelegentlich und fischen Seesterne oder kleine Seeigel aus dem Wasser. Das innere eines stacheligen Seeigels wird auf einem ausgestreckten Paddel zum Verkosten angeboten. Es ist knallig Orange und schmeckt wie fruchtiger Fisch. Wir paddeln in eine kleine, glitschige Grotte, die den Namen „Höhle des Todes“ trägt. Wenn das mal nicht einladend klingt... Unser blaues Kajak überzeugt die Guides durch optisch ansprechendes Synchronpaddeln bei trotzdem passablen Geschwindigkeiten. Während der 6 km langen Tour kommt es zu keinen Walattacken (wie zuvor in Südafrika), die Tiere schwimmen heute außerhalb der Bucht. Alle Teilnehmer kehren teilweise pitschnass, aber immerhin vollzählig ans Ufer zurück. Vor Abfahrt des Busses ist noch Zeit für ein Erinnerungsfoto mit unserem charmanten Guide Chris.

Am Abend treffen wir uns mit Anja, Esther und Moazzes im „Sprout“, einem beliebten vegetarischen Restaurant. Ich verspeise „Papa Ghandi“, einen Gemüsemix garniert mit gerösteten Kokosraspeln. Der supernette Kellner bringt uns auf die Idee, das Laternenfestival im Victoriapark zu besuchen. Im Restaurant hängen schon die ersten liebevoll gebastelten Lampions. Aber die sind keinesfalls gewöhnlich – ein riesiger Kürbis und überdimensional große Blumen dekorieren das Zimmer. Das Festgelände mutet wie eine Kleinstadtkirmes an. Popcorn und Knicklichter werden verkauft, Leuchtobjekte können noch direkt vor Ort gebaut werden. Eine riesige Papierlaterne in Form eines Ghettoblasters wird auf der Schulter an uns vorbeigetragen. Sophie stellt ihr musikalisches Talent an einem (farblich passenden) Schlagzeug unter Beweis. Bald versammeln sich alle (mehr oder weniger erleuchteten) Menschen auf einem kleinen Hang mit Blick auf die Feuershow. Hier jonglieren Nachbarskinder mit brennenden Fackeln, leicht bekleidete Damen zeigen Bauchtanz und ein paar mutige Halbstarke versuchen sich im Feuerspucken. Einer davon versenkt sich regelmäßig seine Bartstoppeln. Wir haben mittelstarke Sorge, Erste Hilfe leisten zu müssen.

Wir schlendern in die Stadt zurück, auf der Suche nach einer netten Bar. Das ist gar nicht so einfach! Sobald eine Live-Band spielt, bezahlt man gleich 5 CAD Eintritt. Das ist uns für eine Stunde doch zu viel. Wir versuchen es in einer kleinen Pizzeria, aber Fehlanzeige, hier darf man nur Getränke bestellen, wenn man auch etwas Essbares ordert. Hunger hat nach dem Besuch vom „Sprout“ aber niemand mehr, wir ziehen also weiter. Fast wollen wir aufgeben, als wir ein kleines, unscheinbares Pub entdecken. Ja, hier kann man eintrittsfrei trinken ohne gleichzeitig etwas zu kauen. Fast scheitert das Vorhaben an der Auswahl alkoholfreier Getränke, aber irgendwo tief unter der Theke findet sich noch ein Kanister Cranberriesaft. Mit einer Handvoll Eiswürfel aufgepeppt, schmeckt der gar nicht so übel :-) Wir lassen den Abend ganz entspannt mit Blick auf die George-Street und von dort herüber wehender Musik ausklingen.


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