Mittwoch, 30. Juni 2010

Golfstrom, wo bist du?



29. & 30. Juni 2010:
Oh je, die letzten 2 Tage waren ein bisschen chaotisch!
Unser Internet hatte eine Macke, sodass wir offline bleiben mussten. Erst heute gab's ein neues Passwort, was scheinbar besser funktioniert.
Außerdem wollte unser Gros-Morne-Ausflug organisiert werden. Wer fährt (ca.8h), wer kommt mit, wie viele können im Cabin schlafen, wann geht's los... Alle 4 Meinungen unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach. Wir werden morgen früh um 5 starten, die Fahrer sind nominiert und wir werden uns die Betten teilen. Schön, das die schlanke Sophie meine Bettgefährten ist :-)
Nebenbei musste ich im Krankenhaus lange ausharren. Wie immer ging's um 7 los, dann mit 4 Clerks ins OPD. Die Ambulanz ist immer recht interessant, aber wenn man lange Wartezeiten hat, vergeht die Zeit einfach nicht. Am Nachmittag sind alle Patienten durchgeschleust und bis um 5 begibt man sich auf "Zeitvertreib". Da wird schon mal ein Patient eine Stunde lang eingegibst oder die Stationsliste rückwärts aufgesagt. Um 5 (ja, nach 10 Stunden!) waren immer noch Teachings angesetzt. Die sind wirklich gut, nur die Konzentration lässt etwas zu wünschen übrig. Gegen 6 begebe ich mich auf den Heimweg.
Gestern haben wir uns erst im Fitti getroffen. Leider war ich für "Zumba" zu spät. Aber ich konnte Sophie lassoschwingend bei einer Art Indianertanz beobachten. Sehr sehenswert! Das mache ich nächste Woche auch. Gemeinsam sind wir noch bisschen gecrosswalkt, gerudert und haben Gewichte gestemmt. Das Auspowern ist echt ein super Ausgleich nach einem langen Tag im weißen Kittel.
Heute waren wir bloß fix einkaufen (Toast, Instantnudeln, Toast, Tütensuppe, Toast, ...) und haben unsere Rucksäcke gepackt. Für Aktivitäten an der frischen Luft war's eindeutig zu kalt. Es würde mich wundern, wenn das Thermometer heute über 10 °C angezeigt hat. Zur Wandertour nehme ich auf jeden Fall meine Handschuhe mit. So viel zum Thema Klimaerwärmung...
Es ist schon spät, ich sollte mich schleunigst ins Bett begeben um morgen ausgeschlafen zu sein. Ich will doch kein Moose (kanadischer Elch) am Straßenrand übersehen :-)

Die große Clerkflut

28. Juni 2010:
Nach einem schönen Wochenende begebe ich mich erholt in die Klinik, finde auch prompt den richtigen Abzweig zum Spind. Durch meine neue Abkürzung spare ich ganze 3 Minuten. Der Weg zur Station gelingt ebenso problemlos, nur wundere ich mich, dass schon Ärzte anwesend sind. Aha, das sind wohl die zwei neuen Residents, die eifrig am PC tippen. Ich gehe brav hin, stelle mich vor und sehe zu meiner Überraschung, dass ich mit Clinical Clerks (also mein Level, nur eben kanadisch) spreche. Schön, da habe ich jemanden, der mich im OPD (Outpatient Department)
unterstützt. Die Freude währt nicht lang, Clerk Nr. 3 kommt um die Ecke. Es wird recht voll hinterm Tresen, wir ziehen also auf den Gang. Hier muss scheinbar ein Nest sein! Etwas verschlafen schlurft der nächste Clerk an, ganz cool mit Umhängetasche. Ich frage ganz vorsichtig, ob wir nun vollständig sind. Ja. Als die verdutzen Residents eintreffen, sind bereits 20 Minuten vergangen. 7 AM Morning Round heißt hier nur, bis um halb 8 einen Kaffee auf Station getragen zu haben. Wir absolvieren die morgendliche Visite, ein Teil von uns muss vor den Patientenzimmern ausharren, da einfach nicht genug Platz vorhanden ist. Die Patienten sind schwer beeindruckt von der Unmenge weißer Kittel. Danach geht’s für die ganze Traube (4 Clerks+2Residents+ich) ins OPD und der Kampf um die Untersuchungszimmer beginnt. Häufig kommt es zum Stau, da wir alle unsere gesehenen Patienten dem Hintergrund-Doktor vorstellen müssen. Um das Chaos noch perfekt zu machen, trifft eine weitere deutsche PJlerin ein, weil auf ihrer Station um 10 schon alles erledigt war. Für die Flut an arbeitswütigen (angehenden) Ärzten sind einfach zu wenig kranke Menschen bestellt. Nach nur 5, recht lehrreichen Patientenkontakten wird es dem Chief Resident zu bunt und er will jemanden nach Hause schicken. Als sich die anderen Studenten weigern, trete ich den Heimweg an. Das passt mir ganz gut in den Kram, wollte ich doch bissl was online erledigen.
Im Hatcher House eingetroffen, sofort den Laptop gestartet - kein Internet. Frustriert begebe ich mich an unsere Rezeption. Die wissen keinen guten Rat und schicken mich zum PC-Spezi in die vierte Etage. Mit Laptop unterm Arm stelle ich mich in der Schlange an und präsentiere kurze Zeit später mein Anliegen. Ein Re-Setup muss her, soso, und das wöchentlich. Der nette Mensch tippelt eifrig und ich frage ihn, wie er denn all die Anweisungen auf Deutsch verstehen kann. Die Bottons, meint er, sind doch in der jeder Sprache an der gleichen Stelle. Ich bin schwer beeindruckt und meine Hochachtung wächst noch mehr, als Skype tatsächlich wieder fröhlich piept.
Sophie trifft kurz darauf an und wir treten die vertraute Reise zum Walmart an. Die Busse sind heute ausgesprochen pünktlich, die Fahrerin wieder nett. Wir bekommen unsere 2 Isomatten, Tagesziel erreicht. Noch nicht ganz, es fehlen noch die Vitamin-C-Brausetabletten! Also zische ich ab in die Pharmacy-Abteilung (Apotheken sind hier in den Supermarkt integriert). Einige Minuten irre ich zwischen ß-Blockern und Schwangerschaftstests umher, bis mich ein junger Typ fragt, ob er mir helfen kann. Dass ich Vitamin-C-Tabletten suche, kapiert er recht schnell, nur warum ich die in einer ganzen Flasche Wasser auflösen möchte, ist ihm schleierhaft. Also nagelt er mir vorm Ersatzpräparateregal ein Gespräch ans Knie. Wo ich denn her komme (Habe ich immer noch keinen Neufundlandakzent?), was ich hier treibe und wozu ich Wasser mit Vitamin-C-Geschmack haben will. Und dann kommt sein großer Vorschlag: Wie wär’s denn zur Abwechslung mal mit Vitamin D3? Ach, sehe ich schon so osteoporotisch aus?! Mit meiner Geduld am Ende und kurz vorm Lachanfall kläre ich ihn kurz drüber auf, dass man Knochenschwund im höheren Alter bekommt. Er ist etwas perplex. So nutze ich meine Chance, schnappe mir eine Schachtel der teuersten Vitamin-C-Tabletten und suche das Weite. Kurz vor der Kasse setzen wir die Packung auf einem Stapel Taylor-Lautner-Poster (das ist der Vampirtyp) aus. Den Vitaminmangel werden wir mit farbenfrohen Gummitierchen kompensieren müssen.

Montag, 28. Juni 2010

Der (fast) perfekte Sonntag


27. Juni 2010:

Ausschlafen ist ja so was Feines! Keine Bauarbeiten, kein Wecker, keine Mövenschreie und auch kein Sonnenstrahl wecken uns, sodass wir fast das Deutschlandspiel verpassen! Ganz in unsere idyllische Traum-und Frühstückswelt versunken, rückt der Fußball in den Hintergrund. Aber irgendwann beschleicht uns doch ein ungutes Gefühl – hat Deutschland nicht verloren, als wir im Flieger saßen? Oh Gott – ja! Von Panik ergriffen beißen wir noch schnell in den Blaubeerbagel, schnappen die (Regen)jacken und hetzen los. Innerhalb von 25 min erreichen wir, in Rekordzeit, das „Duke“. Ein Jubel bricht los, als wir den Raum betreten. Mit so einem Empfang haben nicht mal wir gerechnet. Ok, die Freudentänze waren nicht nur unserem Anblick zu verdanken, sondern auch dem 1:0 für Deutschland. Mit Mühe schieben wir uns durch die Menge und ergattern einen Platz im deutschen Eck. Erst hier wird mir bewusst, dass keineswegs schwarz-rot-gold geflaggt ist, sondern britisch. Stimmt, der „Duke“ ist immerhin ein englisches Pub. So wird das 2:0 von den englischen Fans missmutig aufgenommen, das 2:1 euphorisch gefeiert und das Pseudotor angegrölt und auf den Schiri geschimpft. Es kommt zu kleinen Handgreiflichkeiten zwischen den gegnerischen Parteien, ein Pommesdiebstahl wurde beobachtet, sonst verhalten sich die Fans friedfertig. Am Ende sind sich alle einig: das bessere Team hat gewonnen.

Den Sieg feiern wir mit ein paar deutschen PJlerinnen in einem Cafe und schmieden dort auch gleich Pläne für das kommende verlängerte Wochenende. Es soll in den Gros Morne Nationalpark gehen. Am Donnerstag ist „Canada-Day“ und damit ohnehin Feiertag, den Freitag bekommen wir sicherlich für unseren Ausflug frei. Dummerweise werden wir dann das Spiel nicht verfolgen können. Vielleicht klappt es ja auch ohne unsere Unterstützung? Nach langem Hin und Her ist immer noch nichts wirklich geklärt, die kanadischen Handynummern werden ausgetauscht und die Besprechung auf den Abend vertagt. Im Regen machen wir uns auf den Weg (über den zeitraubenden Berg) zurück zum Hatcher House.

Den Abend nutzen wir, um endlich das Fitnessstudio zu besuchen. Nach einer halben Stunde auf dem Crosstrainer, rudern wir 1,5 km und kommen dem Fernseher (Was wird da wohl übertragen?) doch keinen cm näher. Wir toben uns an allerhand abenteuerlichen Geräten aus und schwimmen fast allein im integrierten Pool ein paar Bahnen. Nach 2 Stunden powern sind wir geschafft, aber hoch zufrieden mit unserer Leistung. Zur Belohnung genehmigen wir uns eine Dose Thunfisch mit Toast und ein Instant-Hühnersüppchen. Wenn das mal kein gelungener Tagesabschluss ist :-)

Samstag, 26. Juni 2010

Hello Ladies...

26. Juni 2010:
Unser Plan, ein bisschen auszuschlafen am Samstagmorgen, wird von ohrenbetäubenden Dacharbeiten durchkreuzt. Warum mussten wir ganz oben ein Zimmer bekommen, wenn klar war, das in Kürze die ganz Dachpappe abgehackt wird? Wir schlagen also gleich "Mietminderung" und "unzumutbar" nach. Doch bevor wir zum Äußersten schreiten können, wird unsere Laune durch einen strahlend blauen Himmel und frischen Kaffee aufgeheitert. Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zu Rogers, unserem Handynetzmenschen. Dort passiert etwas unfassbares: wir können endlich Guthaben auf unsere Prepaid-Karte aufladen! Nach einer Woche haben wir es also doch noch geschafft. Wer hätte denn daran noch geglaubt?
Aus unser super ausgestatteten City-Information haben wir schöne "Walkingtouren" durch St. John's mitgenommen. Nummer 1 steht heute auf dem Programm. Wir erkunden den historischen östlichen Stadtteil. Besonders beeidruckend wirken die romanisch-katholische Basilika und die hübschen Häuser im Queen-Anne-Style. Auch ein Sir ROBERT Bond House zählt zu den Attraktionen und wird fotodokumentiert :-) Wir schlendern durch die Straßen und viele Anwohner (Omas im Vorgarten z.B.) rufen uns ein fröhliches "Hello Ladies..." zu. Echt nette Gegend hier. Im Bannerman Park rasten wir und beobachten Jungs bei einem lustigen Ballspiel, für das man auch Schläger und große Handschuhe braucht.
Bei strahlendem Sonnenschein setzen wir unsere Wanderung auf dem Hiking-Trail um den Quidi Vidi Lake fort. Mittlerweile brennen unsere Füße in den FlipFlops, aber bei so grandiosem Wetter wollen wir nicht im Bus hocken. Als der See fast umrundet ist, sehen wir einen recht abenteuerlichen Spielplatz. Aber nein, das ist doch was für uns - ein Outdoor Gym. Jetzt gibt's kein Halten mehr und wir absolvieren ein kleines Kreistraining. Damit haben wir unser Fitnessprogramm für den heutigen Tag erfüllt. Ganz schön clevere Konstruktionen sind dabei, meist so, dass man gegen sein eigenes Gewicht arbeitet (sich also auf dem Sitz nach oben hebt). Eine echt tolle Idee, so eine Muckibude im Freien, aber wahrscheinlich recht gering frequentiert von den pummeligen Einheimischen.
Auf dem Rennie's River Walk geht's dann zurück Richtung Campus. Im Supermarkt schnappen wir uns die letzten zwei Fertigsalate. Das Abendbrot fällt mit Instantnudeln richtig üppig aus. Vollgefuttert und geschafft von unserer 10stündigen Wanderung hoffen wir auf eine erholsame Nacht.

Cape Spear





25. Juni 2010:
Die erste Woche im Krankenhaus ist schon vorbei. Am späten Nachmittag holt uns Tony ab und wir fahren zum Cape Spear, was ca. 15km entfernt liegt. Es ist der östlichste Punkt Nordamerikas und befindet direkt am Atlantik. Dort steht ein romantischer Leuchtturm ganz allein in der felsigen Umgebung. Das stellt natürlich eine super Kulisse für klasse Bilder dar. Sophie ist nur schwer vom Kap wegzulocken.
Das nächste Ziel unseren Tour ist der Signal Hill von St. John's. Dort angekommen, klettern wir auf den Cabot Tower und lassen uns den Wind um die Nasen wehen. Wir haben eine fantastische Sicht zurück zu Cape Spear und über die weitläufige Stadt.
Noch vor Sonnenuntergang erreichen wir eine kleine Bucht, in deren Nähe die Bewohner einer Ozeanforschungsstation auf unseren Besuch warten. Wir werden von zwei Robben begrüßt. Während wir unsere Subs verspeisen gucken uns die zwei ganz gierig zu. Ich will ihnen eine Peperoni zustecken, entscheide mich dann aber doch dagegen. Es würde wahrscheinlich die Forschungsergebnisse verfälschen :-)
Wir fahren zurück in die Stadt, machen einen Abstecher zu Tim Hortons und spazieren -typisch kanadisch- mit Coffee-to-go-Becher am Hafen entlang. Tony lässt sich nicht davon abbringen uns noch nach Hause zu fahren. So kommen wir sicher durch die Nacht und fallen in unsere Schlafsäcke.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Zumba

24. Juni 2010:

Und wieder ist ein Tag ins (Neufund)Land gegangen. Im Krankenhaus war’s heute richtig gut. Es fing schon damit an, dass ich meinen Spind in den Katakomben wiedergefunden habe. Um mich selbst zu ärgern, hatte ich gestern meinen Kittel dort eingeschlossen. So durfte ich meine Suche nicht wieder erfolglos abbrechen. Meinem Resident hab ich noch während der Visite klargemacht, dass ich keinen Bock auf OR („Ohhuuar“ gesprochen, soll Op-Saal bedeuten) habe. Aus gynäkologischer Sicht ist meine Erfahrung mit Hüft- und Knie-TEPs sicher mehr als ausreichend. Demzufolge bin ich auch gleich in die Ambulanz und habe unzählige Patienten über ihre Fußprobleme ausgequetscht. Kleines Highlight war dabei eine Fußknochenteilentfernung (Köpfchen Os metatarsale V), die in örtlicher Betäubung an einem querschnittsgelähmten Patienten vorgenommen wurde. Dabei stellte schon die Übersetzung (von der korrekten Betonung mal abgesehen) von „paraplegischer Patient“ eine Herausforderung für mich dar. Nebenbei habe ich wieder arthrotische Knie und schmerzende Schultern mit Steroiden vollgepumpt. Zu Mittag gab’s dann lecker chinesisches Fast Food. Ich hatte eine solch riesige Portion (Hühnerbällchen, Reis, gebratenes Gemüse, Frühlingsrolle), dass der umfangreiche Rest Sophies Abendbrot wurde.

Gegen 5 konnte ich mich dann aus der Sprechstunde schleichen um pünktlich zum Date ins „The Works“ zu kommen. Der Verantwortliche für die Sportstätten hat sich dafür eingesetzt, dass wir die nächsten Wochen zu super Konditionen (25 CAD) das Fitnessstudio nutzen können. Und heute haben wir dafür alles vertraglich geregelt. Wir können ja nicht nur 2 Monate futtern und Bus fahren. Es gibt auch ganz klangvolle Kurse, wie z.B. „Zumba“. Es dürfen gerne Tipps abgegeben werden, was sich wohl dahinter verbirgt. Eine Auflösung folgt, sobald wir es ausprobiert haben :-)


Mittwoch, 23. Juni 2010

Wasserkocher-Walmart-Wallfahrt

Schland, Schland, lalalala! Wir sind im Achtelfinale! Und das bestimmt nur, weil Sophie und ich diesmal mitgefiebert haben :-) Es hat sich in den Krankenhäusern rumgesprochen, dass die "German Students" im Pub "Duke of Duckworth " kollektiv Soccer gucken. Da durften wir natürlich nicht fehlen. Gegen halb 4 habe ich mich aus der Ambulanz verabschiedet und bin zügig in die Stadt gegangen. Geirrt trifft es wohl besser, denn verlaufen habe ich mich trotz Karte mehrfach. Aber die Kanadier sind ja alle hilfbereit und ortskundig, sodass ich in der 31. Minute eintrudelte. Ich war überrascht, wie viele Deutsche (nicht nur Studenten) sich derzeit in St. John's aufhalten und die Weltmeisterschaft aktiv verfolgen. Im Vorfeld hatte ich noch Sorge, dass hier kein Spiel übertragen wird und dann gibt's gleich PUBlic viewing. Am Sonntag werden wir uns sicher wieder im Pub einfinden und anfeuern. Leider ohne Fanartikel, die mussten aufgrund von massivem Übergewicht zu Hause bleiben.
Ganz berauscht vom Sieg, haben wir die Mission Wasserkocher ein weiteres Mal in Angriff genommen. Gestern hatten wir bereits versucht mit Bus Nummer 10 zum Walmart zu fahren, konnten aber die Haltestelle nicht finden. Heute sind wir nach nochmaligem Nachfragen gegen 7 losgezogen. Es kam auch gleich die gewünschte Linie, wir fix hingesprintet, die Richtung erfragt und natürlich gings Richtung Downtown. Gut in "a couple of minutes" kommt der Richtige sagte Herr Busfahrer. Wir also gewartet, Busse kamen und gingen, aber keine 10. Nach einer halben Stunde sind wir wieder freudig aufgesprungen, eine 10 war in Sicht. Aber nein, wir wurden enttäuscht, erneut die falsche Richtung. Wie lang ist denn hier so ein verdammtes Couple? Kurz vor 8, als wir schon beschlossen hatten nach Hause zu gehen, kommt ein Bus um die Ecke. Der Busfahrer lachte schon, als er uns (wieder) sah. Es war genau der gleiche von vor einer Stunde, nur auf der Rückrunde! Da hätten wir die kostenlose Sightseeingtour auch mitmachen können. Er konnte gar nicht glauben, dass er der erste Bus Richtung Walmart ist. Zur Entschädigung brauchten wir kein Ticket lösen :-) Am Walmart angekommen, gab's dann nur noch kleine Probleme beim Aussteigen. Die verflixte Tür wollte nicht aufgehen! Die Neufundländer erklärten uns von 5 Seiten, wie man die Tür öffnet - indem man wild davor rumfuchtelt (keine Ahnung warum, aber es funktionierte tatsächlich). Soso. Der Fahrer hat sich bestimmt köstlich über unsere Dussligkeit amüsiert. Wir haben dann fix unseren heiß ersehnten Wasserkocher für 7,77 CAD erstanden und auch einen passenden Bus zurück erwischt. Dort musste man, um den Haltewunsch anzuzeigen, an einer futuristischen Strippe ziehen. Beim Busfahren in Neufundland lernt man scheinbar nie aus...

Dienstag, 22. Juni 2010

Get on your tippy toes!


22. Juni 2010:
Zu später Stunde doch noch eine kleine Meldung von der Ostküste. Das Wetter war heute den ganzen Tag nicht berauschend. Auf dem Weg zum Krankenhaus habe ich meine Handschuhe und Ohrenschützer arg vermisst. Aber morgen sollen ja -anlässlich des Deutschlandspiels- sonnige 23° werden.
Der heutige Tag war ähnlich konfus wie der gestrige. Allerdings gab es mit einer vegetarischen Pizza einen kulinarischen Höhepunkt zur Mittagszeit. Die Visite fiel sehr knapp aus, da Dienstags halb 8 ein orthopädisches Meeting stattfindet. Dort treffen die 2 Teams der Krankenhäuser (Sophie war also auch dabei) zusammen und diskutieren einen besonders spektakulären Fall. Besser gesagt, es wird ein Resident rausgepickt, der dann Rede und Antwort stehen muss. Das war echt hart, von allen Seiten kamen die Fragen geschossen und er hatte ganz schön zu rudern. Ich war heilfroh, dass wir verschont wurden. Nächste Woche kann sich das ganz fix ändern...
Danach habe ich mit Tony, einem Resident, Patienten in der Notfallambulanz angeschaut. Es gab eine beeidruckende subtrochantäre Femurfraktur bei einer 92-jährigen Dame (red. AZ) zu sehen, die dummerweise noch Zeugin Jehovas war. Das Fragment war so gekippt, dass es fast durch die Haut gespießt hat. Gruselig. Die Op wird sicher recht knifflig, da Transfusionen schon mal tabu sind. Als der ganze Schreibkram fertig war, sind wir wieder in die orthopädische Sprechstunde. Dort musste ich ins eiskalte Wasser springen und meine ersten Patienten allein befragen und untersuchen. Trotz anfänglicher Verständigungsprobleme (Wie nennt man denn z.B. die Zehenspitzen?!) habe ich herausbekommen, wo es weh tut. Dieser Dialekt kann einen echt in den Wahnsinn treiben! Eine Knieinjektion durfte ich zur Belohnung auch wieder geben. Besonders entspannt war des Gespräch mit einem 85-jährigen Engländer, der vor Jahren nach Neufundland übergesiedelt ist. Den habe ich nämlich super verstanden (andersrum auch). Mit Tony bin ich dann noch auf die Kardio um ein Knie anzugucken und mit Cortisol zu impfen. Dabei habe ich einen von den 12 deutschen PJlern getroffen, die sich angeblich im General Hospital aufhalten sollen. Laut Sekretärin ist St. John's eine kleine PJ-ler-Hochburg. So habe ich erfahren, dass das morgige Spiel in der Bibo vom Krankenhaus live übertragen wird. Nur für den Fall, dass ich den Heimweg nicht mehr pünktlich zum Anpfiff antreten kann.
Nach nur 2maligem Verirren im labyrinthartigen Gangsystem hat mich der liebe Tony (Röbi, jetzt bitte keine Eifersuchtsszene :-)) nach Hause gefahren. Welch ein Luxus!

Montag, 21. Juni 2010

Use it, but don't abuse - use or loose it


21. Juni 2010
Der erste Arbeitstag beginnt wolkenverhangen und (diesmal ausgeschrieben, auf Wunsch eines einzelnen Herren) regnerisch. Halb 7 gehe ich aus dem Haus und bin pünktlich auf meinem "Orthopedic Floor". Wie durch ein Wunder habe ich den Weg dorthin wiedergefunden. Nach und nach trudeln die 3 Ärzte ein, alle mit Tim Hortons-Becher bewaffnet, und wir starten die Visite. Meist werden die Fälle vor dem Patientenzimmer diskutiert. Drinnen ist auch kein Platz, da die Räume mit Decken, Kisten und Gasluftballons (wie solche vom Rummel) vollgestopft sind. Die Krankheitsbilder sind denen in Deutschland recht ähnlich: Hüfte, Schulter und Rücken. Nach einer Stunde breche ich zur "Orientation Round" auf und treffe auf eine nette Dame. Sie zeigt mir das ganze verwinkelte Krankenhaus. Es gibt 2 Tim Hortons und mindestens 2 weitere Imbisse, also kein Wunder, dass hier alle an Adipositas per magna leiden! Die 3. Etage dient nur als Feuerfluchtweg und als Abkürzung zur Cafeteria, ist sonst aber nur eine Art Gang. Es gibt außerdem keinen Fahrstuhl, der im 2. Stock hält. Die gute Fee führt mich auch noch zu meinem Spind im Keller (hier im 1.Stock lokalisiert), der mitten auf einem Gang steht. Da werde ich mich in Zukunft umziehen, gut sichtbar für jeden verirrten Patienten :-) Nach einer Stunde bin ich völlig desorientiert und erhalte noch einen Computer-Crashkurs. Ich werde die nächsten Tage testen, ob ich etwas davon behalten habe. Als ich wieder auf Station will, ist mein "guter" Fahrstuhl out of order. Ich kämpfe mich durch Wartezimmer, Röntgenabteilung, Steri und lande in der Augenklinik. "Are you lost?" Totally. Mir wird der Weg in die Ambulanzsprechstunde gezeigt. Dort schaue ich mir gemeinsam mit den Residents die Patienten an und darf auch eine Cortisol-Injektion in einer Schulter versenken. Wir arbeiten fein steril. Später hänge ich mich an den Chef, der verzichtet beim Spritzen gleich ganz auf Handschuhe und zieht die Kanülenhülle lässig mit dem Mund ab. Wow, das mache ich auch beim Examen! Zu meinem Elend gibt's ganz arge Verständnissprobleme, als der alte Herr mit noch älteren Eingeborenen spricht, den Kiefer nur noch millimeterweit öffnet, in einen fiesen Dialekt verfällt und dabei auch noch Kaugummi kaut. Das hört sich dann ungefähr so an: "Grrraggokaygggaggg?" "Mhpainhhh" "Grrkneeuuuhurtsggguru". Alles klar, oder? Eher verständlich ist dieser Tip für alle Prothesenträger: Use it, but don't abuse - use or loose it. Mit diesen Worten gehe ich mal Brot kaufen.

Sonntag, 20. Juni 2010

Tim Hortons


20.Juni 2010
Die Sonne scheint knallig ins Zimmer, ich werde munter & fahre erschreckt hoch, Blick auf den Wecker: halb 1! "Haben wir verschlafen?" Nee, es ist doch erst um 8. Puh. Fix den Wecker umgestellt & den halben Kilometer ins Bad gewandert. Gegen 10 starten wir in die Stadt. Zuerst suchen wir Sophies Krankenhaus (St. Clare's Mercy Hospital) & ihre Station, was ohne weiteres gelingt. Das ganze Gebäude ist übersichtlich & nicht grade modern. Egal, die Schwestern sehen nett aus. Dann geht's weiter Richtung Hafen & downtown durch die Straßen. Die Sonne ist wieder unser ständiger Begleiter. Irgendwann packt uns der Hunger. Wir luken vorsichtig in die dunklen Pubs, da sitzen nur alte Männer & wir trauen uns nicht rein. Also muss eine Alternative her, möglichst günstig & zugleich sättigend: Tim Hortens (Berni, du hattest so recht :-) ). Gestern hatten wir uns vorgenommen, so lange wie möglich diese Fastfoodkette zu meiden, heute ist uns das egal. Direkt neben der Feuerwache & "The Rooms" finden das Bistro. Kaum sind wir zur Tür rein, will die übereifrige Bedienung schon wissen, was wir essen wollen. Erstmal orientieren, die Muffinauswahl blendet. "Chicken salad Combo twice, please." "Toasted? To drink? Which donut? ..." Wir wollten doch nur das Essen auf dem Bild! "Ähm, Coke?" "We don't have Coke." Wo gibt's denn so was?! "Only Pepsi." Aha, dann nehmen wir doch die. "Diet or... ?" Bitte, hab ich das nötig? Aber die zweite Option verstehe ich nicht. "Diet, please." Nach ewigem hin & her, erschwert durch den fiesen Neufundländer Dialekt, schnappen wir unser Menü. Mysteriöserweise bezahlen wir 2 Dollar mehr als auf dem Bild steht, aber es schmeckt trotzdem toll!
Gestärkt wandern wir weiter zu meinem Krankenhaus. Es soll ganz in der Nähe vom Hatcher House liegen. Der Wind frischt nochmal auf, sodass ich froh bin, den Rucksack mit 2 Wasserflaschen aufgeschnallt zu haben. An einer Schnellstraße geht's entlang, bis wir ein burgähnliches Riesenhaus sehen. Das soll ein Krankenhaus sein? Gruselig. Da geht man doch nicht freiwillig rein. Wir brauchen 10 Minuten um den Eingang zu finden. Im Krankenhaus wird's nicht einfacher - zig Gänge, Fahrstühle & Tim Horton-Bistros lassen uns ziemlich umherirren. Wir schaffen es trotzdem auf den Ortho-Flur. Auch hier sind die Schwestern hilfsbereit & beeidrucken durch ausgefallene Kassakmuster &-farben. Niemand trägt weiß, ich werde wohl ein bisschen auffallen. Patienten hängen mit ihrem Besuch auf den Gängen ab (Füße auf dem Tisch, Coffee-to-go-Becher in der Hand). Die Schwestern versammeln sich am Teich & beobachten Enten. In der Mitte ein cooler Doc mit lässig um den Hals geschwungenem Stethoskop. So lässt sich's leben... Ich bin sehr gespannt, was mich morgen früh erwartet (Brot für die Enten stecke ich sicherheitshalber ein).

Samstag, 19. Juni 2010

Ankunft in St. John's

18.Juni, 5:49: Abschied am Hauptbahnhof Dresden, im ICE Kindergeschrei & -gesang
18.Juni, 13:55: Flug nach Toronto, Deutschland steckt eine Niederlage ein, die der Pilot sogar durchsagt; Kindergeschrei
18.Juni, 16:30: Ankunft in Toronto nach nur 2,5 h, wir werden zig mal gescannt und müssen unsere Geflügelwurstbrötchen aufessen
18.Juni, 19:45: Flug nach St. John's, den ich komplett verschlafe, sogar der lautstark schnarchende Nachbar ist mir egal
19.Juni, 0:45: Ankunft in St. John's & einer neuen Zeitzone (-4,5 h MEZ)

Mit dem Taxi erreichen wir das Hatcher House auf dem MUN-Campus. Nach einem kurzen Telefonat kommt ein Mädel im Schlafanzug (pink mit Hunden drauf) an & wir bekommen ein Zimmer zugeteilt. Müde & abgeschlagen schließen wir die Tür auf & bekommen einen Schreck: hier wohnt doch schon einer! Wir wieder runter, das Mädel natürlich schon im Bett. Na gut, sehen wir mal, ob wir die Nacht noch Besuch bekommen ;-) Wir werfen das Bettzeug & den Müll vor die Tür, die Nacht (oder was davon übrig ist) verbringen wir im Schlafsack ohne weitere Probleme. Scheinbar werden die Zimmer immer erst kurz vor knapp wieder hergerichtet & wir waren für den 19. Juni recht früh unterwegs. Morgen ist ja auch erst nach dem Aufstehen.
Gegen halb 11 (Ortszeit) werden wir munter, die Sonne scheint, Möven kreischen draußen. Wir machen uns nach einem spartanischen Frühstück auf den Weg zum Supermarkt. Wir brauchen eigentlich alles, bekommen aber nur wenig für viel Geld. Beeindruckend lange Reihen von Tiefkühlschränken (wir haben keinen Herd), Toast (Toaster sind teuer) & Fastfood (Mikrowellenmagel) können wir nicht gebrauchen. Immerhin kaufen wir für umgerechnet 30 Euro ein. Besteck suchen wir vergeblich. In unserem Hostel sind im Sommer die Küchen abgeschlossen, und damit auch das gesamte Geschirr. Weil wir so nett fragen, rücken sie trotzdem was raus. Einen Kühlschrank haben wir zur Miete beantragt.
Den restlichen Tag erkunden wir zu Fuß die Stadt. Die Lage ist toll, entweder man sieht Richtung Berge oder Meer. Wir nehmen uns vor, den Signal Hill zu besteigen. Die Sonne scheint den ganzen Tag, nur ein straffer Wind stört unsere Fotofrisuren. In der Touristeninfo weiß man auf alle unsere Fragen eine Antwort & wir bekommen unendlich viele Karten, Lesestoff & eine Schokomilch. Nach einem langen Fußmarsch zum Telefonkartenladen und zurück zum Hatcher House essen wir Abendbrot: Brot mit Marmelade und eine Möhre ;-)