Sonntag, 18. Juli 2010

Screech in


16. Juli 2010:

4 Wochen vom kanadischen PJ sind um, die Zeit ist wie im Flug vergangen. Das muss entsprechend zelebriert werden. Wir verabreden uns mit Anja, Esther und Steffi zum Pizza essen. Nachdem der Sobeys nach Leckereien durchforstet ist, sehen Sophie und ich das erste Mal eines dieser typischen bunten Häuschen von innen. Die sind logischerweise aus Holz, ziemlich urig und verschachtelt und mit kleiner Veranda versehen. Die Küche ist mit dem schräg abfallenden Boden besonders putzig, der Kühlschrank steht praktisch auf einer kleinen Anhöhe. Wir trotzen den Tücken der Gravitation (hätt ich doch glatt Gravidität geschrieben) und stellen drei Bleche reichlich belegter Pizza her. Es schmeckt köstlich! Pizza kann ich einfach nicht zu viel essen.

Gut gestärkt rollen wir downhill ins Christian‘s zum Screech in. Das kleine Pub ist schon rappelvoll, wir ergattern nur noch Stehplätze. Nach wenigen Minuten mischt sich ein bärtiger Typ in Ölkutte unters Volk und singt Neufundlandlieder. Alles klatscht und er gibt mit dem Paddel den Takt an. Die Zeremonie beginnt. Es gilt einen stinkenden (zum Glück gefrosteten Fisch) zu küssen, ein merkwürdiges Wursthäppchen zu verspeisen und einen unaussprechlichen (nichtreproduzierbaren) Satz auf Neufundländisch nachzuplappern. All das wird mit einem Screech runtergespült und nach mehreren stimmungsvollen Liedern werden feierlich die Urkunden überreicht. Um mich dem ganzen Spektakel (und dem Schnaps) zu entziehen, habe ich mich freiwillig zum Paparazzo erklärt. Man merkt den Wechsel auch sofort an den weniger professionellen Fotos :-)

Mit den frisch gekürten Neufundländern an meiner Seite geht es weiter in die Martini Bar. Dort spielt eine klasse Liveband, sodass wir ein bisschen die Pizza abtanzen können. Wahnsinnig underdressed fühle ich mich zwischen all den aufgedonnerten Kanadierinnen. In Jeans, lila Klapperschuhen und schwarzen Top falle ich eiskalt durchs Raster. Normaler Dresscode für Frauen: ein unmöglich kurzes, presswurstartiges Kleid kombiniert mit Schuhen, die mir beim bloßen angucken einen Spontan-Hallux-Valgus verursachen. Autsch! Nur wenige können so was tragen, geschweige denn in diesen Horrordingern laufen. Genug gelästert, vielleicht kaufe ich mir in den nächsten Wochen auch noch entsprechende Accessoires um bei Nacht nicht mehr aufzufallen.

Gegen halb 3 machen Sophie und ich uns auf den Weg zurück über den Berg und ich weiß wieder, warum meine Schuhe nur 2 cm Absatz haben.


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