Mittwoch, 28. Juli 2010

Operation Room

23. Juli 2010:

Eigentlich wollten wir heute frei nehmen, ein Auto ausleihen und Richtung Ferryland aufbrechen. Allerdings war es wieder unmöglich, in der Ferienzeit einen fahrbaren Untersatz zu ergattern, sodass wir das ganze Vorhaben vertagen müssen.

Heute früh sind wir sogar froh drüber, es ist nebelverhangen und regnerisch. Kein gutes Ausflugswetter. Da meine Residents ohnehin nicht mit mir rechnen, gehe ich erst um 8 AM zum Pädiatrie-Teaching in die Klinik. Brian ist überraschend nett und fragt sogleich, was mich doch ins Krankenhaus bewegt hat. Aha, meine An- und Abwesenheit wird also von ihm registriert. Ich frage ihn, ob ich bei Mathews Op dabei sein darf. „Sure!“, er ist ja mein Patient. Super, da hat sich das frühe Aufstehen doch schon gelohnt.

Nach dem Teaching werfe ich mir die sexy Scrubs über und schaue eine Unterschenkellavage bei Kompartmentsyndrom an. Als nächster Punkt steht die Tibiaplateau-Rekonstruktion an. Zu viert stehen wir gedrängt um den 10cm langen Schnitt. Es fällt mir schwer, überhaupt einen Knochensplitter zu erkennen. Die zwei Staffs werkeln eine ganze Weile rum, bis die Platte endlich an der richtigen Stelle sitzt und die 4 Schrauben platziert sind. Überwältigend finde ich das Ergebnis noch nicht, aber das restliche Op-Team ist hellauf begeistert. Ok, ich halte hier besser den Mund. Es wurde das mediale Tibiafragment fixiert und die Trümmerzone im Plateau abgesaugt. Für mich sieht das Röntgenbild immer noch wüst aus, aber die werden schon wissen, was sie tun. Die Operateure sind überzeugt, dass die Ärzte in Germany beeindruckt sein werden. Die stolzen Staffs ziehen sich zurück und ich verschließe mit dem Resident die Wunde. Ich darf sogar ein bisschen nähen und Klammern setzen. Die Naht erzielt in meinen Augen das beste Ergebnis der ganzen Op :-)

Nach nur 1,5 h Wechselzeit kommt der Anpfiff zum nächsten orthopädischen Programmpunkt. Die Patientin ist unheimlich beleibt. Ich muss immer höllisch aufpassen, nicht allzu schockiert zu gucken oder beim schweißtreibenden Lagern vor Anstrengung zu stöhnen. Viele der anwesenden Op-Schwestern sind selber hoch wie breit. Der Patientinnenknöchel ist so dick wie mein linker Oberschenkel und steht in komischem Winkel ab. Den hat sie sich offensichtlich gebrochen. Bevor der eigentliche Eingriff beginnen kann, muss alles oberhalb des Beines warm eingepackt werden. Die Patientin ist nämlich allergisch auf kalte Luft. Der klimatisierte OR würde ihr den sicheren Tod bescheren. Wäre auch langweilig, wenn hier jeder nur auf Gräser und Hausstaub reagieren würde. Shellfish, Luftballons, Erdnüsse und kalte Luft sorgen da für die Abwechslung im tristen Krankenhausalltag. Nach der erfolgreichen Versorgung der Weber-B-Fraktur ist es um 4 PM und ich verlasse pünktlich die Klinik.

Nun steht noch eine kleine Exkursion zum Walmart an. Nach anfänglichen Problemen haben wir das Busfahren nun schon perfektioniert. Erfolgreich sind wir auch im Suchen und Kaufen einer wasserfesten Wegwerfkamera. Auf dem Rückweg stoppen wir im Dollarama, einem hochinteressanten Laden. Hier gibt es alles (außer Obst & Gemüse) zu echt günstigen 1- bis 2-Dollar-Preisen. Unsere Augen werden tellergroß, als wir Toast für nur 1,50 CAD und Isomatten für 2 CAD sehen.

Die verbliebenen Abendstunden verbringen wir ganz gemütlich zu Hause, ohne sportliche oder kulturelle Aktivitäten. Wir wollen unsere Energie für den nächsten Tag sparen...


It's Newfoundland: Das Bild zeigt das typische Supermarkt -"Brot". Für diesen Hauch von Nichts bezahlt man mindestens 2,50 CAD. Da kann ich mich auch gleich von Luft und Liebe ernähren.


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