Donnerstag, 15. Juli 2010

Panik auf der Titanic

13. Juli 2010:

Fix noch Kittel waschen und nebenbei nach Haus telefonieren. So war der zum Plan. Ich will unsere Laundry-Card am Automaten aufladen. Die bunten Knöpfe, Symbole und Schlitze überfordern mich. Ich probiere also bissl rum, bis die Karte irgendwo passt. Dann noch den grünen Button gedrückt, 2 CAD eingeworfen – und es kommt eine andere Karte raus. Schön, hab ich also zwei von der Sorte. Aber wo sind meine 2 CAD? Bevor ich noch mehr Unfug mache, frage ich an der Rezeption. Aha, 2 CAD Pfand hat Karte II gekostet. Die bekomme ich aber im Studenten-Office zurück, zur Öffnungszeit versteht sich. Den 50/50-Joker für die Knöpfe hätte ich vorher einsetzen sollen. Erfolgreich lade ich die Laundry-Card I mit Waschgeld auf. Die weiße Wäsche landet in der riesigen Trommel, Klappe zu, Programmwahl (ganz logisch) „white“. Unheilvoll leuchtet ein kleines „hot“ auf. Nein, keine Kochwäsche! All die Blusen und meine einzige weiße Hose! Schnell „Colour“ gedrückt, es ist zu spät, Wasser strömt ein. Panik auf der Titanic! An der Klappe rütteln ist erfolglos, kein rettender Stop-Knopf sichtbar. Hilfe! Wo ist die Stromzufuhr? Schnell kappe ich die Verbindung, die Maschine verstummt und ich suche nach Resetschalter und hilfreichen Hinweisschildern. Alles vergeblich. Die Tür geht nicht auf, die Wäsche bleibt gefangen. Als ich den Stecker wieder platziere, macht der Automat unbeirrt weiter. Stecker wieder raus, runter zur Rezeption, Problem berichten. Das gute Mädchen hat natürlich keine Ahnung von Waschmaschinen und ist völlig ratlos, was denn mit „hot“ für eine Temperatur gemeint ist. Als Anruf-Joker wähle ich das Laundry-Servicetelefon. Man könnte ja vermuten, dass die entweder wissen, wie die Kiste wieder aufgeht, oder wie heiß „hot“ ist. Nein, das kann die Telefontrute mir nicht beantworten, ich soll morgen früh nochmal anrufen. Klar, und auf Station ziehe ich derweil meine Regenjacke an? Es steckt meine gesamte Krankenhauskluft, inklusive Schuhe, im Automaten. Außerdem ist Sophie bestimmt nicht begeistert, wenn sie bauchfreie Blusen unterm Kittel tragen soll. Entnervt renne ich wieder ganz nach oben, das Publikum befragen. Tobi ist über Skype ins Geschehen eingebunden und googelt fleißig mit. Nach Minuten der Ungewissheit, die Lösung: unsere Waschmaschine schafft maximal 110°. Ach, du Schreck, damit kann ich Windeln auskochen! Kurz bevor ich der Hyperventilation zum Opfer falle, kommt ein Hinweis zur Gradangabe - Fahrenheit. Jetzt würde ich gerne Herrn Bley anrufen, meinen Physiklehrer in der 6. Klasse. Aber Google geht zur Not auch und errechnet 43,3333°C Maximaltemperatur. Na Gott sei Dank, das stellt keine große Gefahr für die eingesperrten Insassen dar. Allgemeine Erleichterung macht sich breit. Ich aktiviere die heimtückische Maschine wieder, und warte aufgeregt die 35 min ab. Zu meiner hellen Freude ist nichts geschrumpft oder komplett verfärbt. Allerdings hat meine weiße Hose 2 mysteriöse neue Flecken, aber damit müssen mich meine Patienten eben die nächste Zeit ertragen…


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen