25. Juli 2010:
Da wir keine festen Vereinbarungen für den heutigen Tag getroffen haben, klingelt auch kein Wecker. Nach dem späten Frühstück macht sich Sophie joggend auf den Weg zum Qidi Vidi Lake und ich gehe in mein lieb gewonnenes Gym-Bad. Nach 96 Bahnen treffe ich überraschend auf Katharina und wir schwimmen noch ein paar Meter schwatzend nebeneinander her. Zurück im Hatcher House trudelt Sophie auch schon wenige Minuten später ein. Gemeinsam brechen wir, bei herrlichem Sonnenschein, in den Pippy Park auf. Dort wollen wir endlich das Fluvarium, eine Art Museum zum Thema Gewässer, besuchen. Pünktlich zur Fütterung der Barsche, Lachse und des Aals sind wir vor Ort. Das Fluvarium ist in einen natürlichen Flusslauf integriert, sodass man im Keller durch große Glasscheiben direkt in den Bach schaut. Man kann die Fische und Pflanzen bestaunen, als würde man in einer Tauchglocke sitzen. Nur anfassen kann man die bunten Forellen und die glitschigen Muscheln nicht. Nachdem wir nun auch wissen, was der Unterschied zwischen einem Pond und einem Lake ist, geht es im weiten Bogen ums Gewässer (Long POND) zurück.
Donnerstag, 29. Juli 2010
Dinner auf iranisch
Mittwoch, 28. Juli 2010
Sea-Kayaking
24. Juli 2010:
Ausschlafen können wir nur bis um 9, dann scheint die Sonne zu sehr in unser Zimmer und macht ein Weiterschlummern schier unmöglich. Aber aus so einem Anlass stehen wir doch gerne auf. Wir frühstücken in Ruhe und gehen gegen Mittag zum Corte Real, dem Treffpunkt für den heutigen Ausflug. Mit etwa 40 anderen Studenten geht es per Schulbus Richtung Süden. Zu unserer Überraschung fahren wir an Bay Bulls vorbei weiter nach Cape Boyle. Dort werden wir von den O’Briens schon erwartet und in hochmodische Schwimmwesten gesteckt. Ich teile mir mit Sophie ein farblich zu unserem Outfit abgestimmtes blaues Kajak. Meine Kenter-Bedenken, erweisen sich als völlig unbegründet. Man sitzt im Boot sehr bequem unter einer Art Plane, die am Bauch festgezurrt wird. Idealerweise bleiben alle distalen Körperpartien trocken. Auf geht’s in kleinen Grüppchen in den Ozean. Unsere Guides stoppen gelegentlich und fischen Seesterne oder kleine Seeigel aus dem Wasser. Das innere eines stacheligen Seeigels wird auf einem ausgestreckten Paddel zum Verkosten angeboten. Es ist knallig Orange und schmeckt wie fruchtiger Fisch. Wir paddeln in eine kleine, glitschige Grotte, die den Namen „Höhle des Todes“ trägt. Wenn das mal nicht einladend klingt... Unser blaues Kajak überzeugt die Guides durch optisch ansprechendes Synchronpaddeln bei trotzdem passablen Geschwindigkeiten. Während der 6 km langen Tour kommt es zu keinen Walattacken (wie zuvor in Südafrika), die Tiere schwimmen heute außerhalb der Bucht. Alle Teilnehmer kehren teilweise pitschnass, aber immerhin vollzählig ans Ufer zurück. Vor Abfahrt des Busses ist noch Zeit für ein Erinnerungsfoto mit unserem charmanten Guide Chris.
Am Abend treffen wir uns mit Anja, Esther und Moazzes im „Sprout“, einem beliebten vegetarischen Restaurant. Ich verspeise „Papa Ghandi“, einen Gemüsemix garniert mit gerösteten Kokosraspeln. Der supernette Kellner bringt uns auf die Idee, das Laternenfestival im Victoriapark zu besuchen. Im Restaurant hängen schon die ersten liebevoll gebastelten Lampions. Aber die sind keinesfalls gewöhnlich – ein riesiger Kürbis und überdimensional große Blumen dekorieren das Zimmer. Das Festgelände mutet wie eine Kleinstadtkirmes an. Popcorn und Knicklichter werden verkauft, Leuchtobjekte können noch direkt vor Ort gebaut werden. Eine riesige Papierlaterne in Form eines Ghettoblasters wird auf der Schulter an uns vorbeigetragen. Sophie stellt ihr musikalisches Talent an einem (farblich passenden) Schlagzeug unter Beweis. Bald versammeln sich alle (mehr oder weniger erleuchteten) Menschen auf einem kleinen Hang mit Blick auf die Feuershow. Hier jonglieren Nachbarskinder mit brennenden Fackeln, leicht bekleidete Damen zeigen Bauchtanz und ein paar mutige Halbstarke versuchen sich im Feuerspucken. Einer davon versenkt sich regelmäßig seine Bartstoppeln. Wir haben mittelstarke Sorge, Erste Hilfe leisten zu müssen.
Wir schlendern in die Stadt zurück, auf der Suche nach einer netten Bar. Das ist gar nicht so einfach! Sobald eine Live-Band spielt, bezahlt man gleich 5 CAD Eintritt. Das ist uns für eine Stunde doch zu viel. Wir versuchen es in einer kleinen Pizzeria, aber Fehlanzeige, hier darf man nur Getränke bestellen, wenn man auch etwas Essbares ordert. Hunger hat nach dem Besuch vom „Sprout“ aber niemand mehr, wir ziehen also weiter. Fast wollen wir aufgeben, als wir ein kleines, unscheinbares Pub entdecken. Ja, hier kann man eintrittsfrei trinken ohne gleichzeitig etwas zu kauen. Fast scheitert das Vorhaben an der Auswahl alkoholfreier Getränke, aber irgendwo tief unter der Theke findet sich noch ein Kanister Cranberriesaft. Mit einer Handvoll Eiswürfel aufgepeppt, schmeckt der gar nicht so übel :-) Wir lassen den Abend ganz entspannt mit Blick auf die George-Street und von dort herüber wehender Musik ausklingen.
Operation Room
23. Juli 2010:
Eigentlich wollten wir heute frei nehmen, ein Auto ausleihen und Richtung Ferryland aufbrechen. Allerdings war es wieder unmöglich, in der Ferienzeit einen fahrbaren Untersatz zu ergattern, sodass wir das ganze Vorhaben vertagen müssen.
Heute früh sind wir sogar froh drüber, es ist nebelverhangen und regnerisch. Kein gutes Ausflugswetter. Da meine Residents ohnehin nicht mit mir rechnen, gehe ich erst um 8 AM zum Pädiatrie-Teaching in die Klinik. Brian ist überraschend nett und fragt sogleich, was mich doch ins Krankenhaus bewegt hat. Aha, meine An- und Abwesenheit wird also von ihm registriert. Ich frage ihn, ob ich bei Mathews Op dabei sein darf. „Sure!“, er ist ja mein Patient. Super, da hat sich das frühe Aufstehen doch schon gelohnt.
Nach dem Teaching werfe ich mir die sexy Scrubs über und schaue eine Unterschenkellavage bei Kompartmentsyndrom an. Als nächster Punkt steht die Tibiaplateau-Rekonstruktion an. Zu viert stehen wir gedrängt um den 10cm langen Schnitt. Es fällt mir schwer, überhaupt einen Knochensplitter zu erkennen. Die zwei Staffs werkeln eine ganze Weile rum, bis die Platte endlich an der richtigen Stelle sitzt und die 4 Schrauben platziert sind. Überwältigend finde ich das Ergebnis noch nicht, aber das restliche Op-Team ist hellauf begeistert. Ok, ich halte hier besser den Mund. Es wurde das mediale Tibiafragment fixiert und die Trümmerzone im Plateau abgesaugt. Für mich sieht das Röntgenbild immer noch wüst aus, aber die werden schon wissen, was sie tun. Die Operateure sind überzeugt, dass die Ärzte in Germany beeindruckt sein werden. Die stolzen Staffs ziehen sich zurück und ich verschließe mit dem Resident die Wunde. Ich darf sogar ein bisschen nähen und Klammern setzen. Die Naht erzielt in meinen Augen das beste Ergebnis der ganzen Op :-)
Nach nur 1,5 h Wechselzeit kommt der Anpfiff zum nächsten orthopädischen Programmpunkt. Die Patientin ist unheimlich beleibt. Ich muss immer höllisch aufpassen, nicht allzu schockiert zu gucken oder beim schweißtreibenden Lagern vor Anstrengung zu stöhnen. Viele der anwesenden Op-Schwestern sind selber hoch wie breit. Der Patientinnenknöchel ist so dick wie mein linker Oberschenkel und steht in komischem Winkel ab. Den hat sie sich offensichtlich gebrochen. Bevor der eigentliche Eingriff beginnen kann, muss alles oberhalb des Beines warm eingepackt werden. Die Patientin ist nämlich allergisch auf kalte Luft. Der klimatisierte OR würde ihr den sicheren Tod bescheren. Wäre auch langweilig, wenn hier jeder nur auf Gräser und Hausstaub reagieren würde. Shellfish, Luftballons, Erdnüsse und kalte Luft sorgen da für die Abwechslung im tristen Krankenhausalltag. Nach der erfolgreichen Versorgung der Weber-B-Fraktur ist es um 4 PM und ich verlasse pünktlich die Klinik.
Nun steht noch eine kleine Exkursion zum Walmart an. Nach anfänglichen Problemen haben wir das Busfahren nun schon perfektioniert. Erfolgreich sind wir auch im Suchen und Kaufen einer wasserfesten Wegwerfkamera. Auf dem Rückweg stoppen wir im Dollarama, einem hochinteressanten Laden. Hier gibt es alles (außer Obst & Gemüse) zu echt günstigen 1- bis 2-Dollar-Preisen. Unsere Augen werden tellergroß, als wir Toast für nur 1,50 CAD und Isomatten für 2 CAD sehen.
Die verbliebenen Abendstunden verbringen wir ganz gemütlich zu Hause, ohne sportliche oder kulturelle Aktivitäten. Wir wollen unsere Energie für den nächsten Tag sparen...
It's Newfoundland: Das Bild zeigt das typische Supermarkt -"Brot". Für diesen Hauch von Nichts bezahlt man mindestens 2,50 CAD. Da kann ich mich auch gleich von Luft und Liebe ernähren.
Samstag, 24. Juli 2010
Darf's ein bisschen Lachs sein?
22. Juli 2010:
Leider kann ich mich nicht mehr an meinen nächtlichen Traum erinnern, aber sicherlich hat das Haus am Meer eine Rolle gespielt. Mein Auftrag für heute: mit Dr. O’Dea die Details zum Umzug klären. Das passt ganz gut, hat er doch den ganzen Tag im Health Science Centre Sprechstunde. Ich lasse mich also wieder dafür einteilen und gehe ohne Umschweife nach der Visite nach unten. Ich bin kaum zur Tür rein, da fragt er auch schon, ob ich mit Sophie gesprochen hab. Zu allem Überfluss hängen die Schwestern, Gipspfleger und der Shadowing Student mit im Zimmer rum. Alle lauschen interessiert unserem Gespräch. Völlig aus dem Konzept, habe ich Mühe mich gescheit zu artikulieren. So eine Nebensächlichkeit ist der bevorstehende Umzug nun doch nicht für uns. Das kann ich unmöglich auf 3 Sätze herunterbrechen und in wenigen Sekunden klären. Paddy, einer der Gipspfleger, kommt mir zu Hilfe und erklärt mir das Prinzip des „Housesittings“. Es wäre in Neufundland ganz normal, sein Haus in der Urlaubszeit von anderen bewohnen zu lassen. Viele Familien bezahlen sogar professionelle Housesitter dafür. Damit hat man Pflanzenpflege, Haustierversorgung und Einbrecherabschreckung perfekt vereint. Dass andere (fremde) Leute das eigene Haus bewohnen, finden die Kanadier überhaupt nicht komisch. Im Gegenteil, Paddy kann es sich nicht mehr anders vorstellen. Er fragt mich ganz verdutzt, wie denn unsere Blumen in der Urlaubszeit überleben und die Katze nicht verhungert. Nach diesem erleuchtenden Gespräch sehe ich dem Umzug etwas gelassener entgegen.
Am Nachmittag haben wir wieder volles Programm. Wir beeilen uns im Gym, damit wir vor Ladenschluss noch einkaufen können. Mit all den leckeren Sachen bepackt geht es zum Hauptquartier der Iraner. Dort hat Moazzes schon alles bereitgestellt und seine neuen Lieblingshits laufen im Wohnzimmer (Was wird er wohl hören?). Der frische Lachs war alle, sodass die tiefgefrorenen Fische in der Mikrowelle auf ihren großen Auftritt vorbereitet werden müssen. Wir kochen eine riesige Menge Spaghetti mit Lachs- und Tomatensoße. Das Essen schmeckt ausgezeichnet, die Lachssoße könnte ein 5-Sterne-Koch kreiert haben. Der schmächtige Hakar verschlingt 3 riesige Portionen in beachtlicher Geschwindigkeit. Joseph will das Rezept von uns wissen, um seine Freundin am Wochenende damit zu beeindrucken. Wir nutzen die Gunst der Stunde und überzeugen die Jungs von einem iranischen Kochabend. Momentan sind wir aber noch viel zu genudelt, um einen passenden Abend dafür abzustimmen.
Der 15minütige Verdauungsspaziergang zurück zum Hatcher House kommt uns da sehr gelegen. Allerdings artet die Gemütlichkeit noch in Sport aus, als es zu schütten beginnt. Wir legen einen flotten Sprint hin, um nicht pitschnass anzukommen.