Sonntag, 11. Juli 2010

Strawberrys with icecream?


9. Juli 2010:

Auch heute bin ich den ganzen Tag in der Ambulanz eingeteilt. Passend zum bevorstehenden Wochenende sind alle Patienten unwahrscheinlich nett. Viele wollen bissl plaudern und fragen, wo ich denn herkomme. Um die ganze Sache interaktiver zu gestalten, lasse ich sie raten. Lustige Vermutungen werden geäußert: Finnland, Niederlande, Schweiz. Niemand sagt „Germany“. Am stolzesten bin ich auf die Antwort „Maybe England?“. Cool, ich dachte mein Englisch wäre immer noch ne Katastrophe. Das baut doch auf.

85 Patienten werden durch die Sprechstunde geschleust, gegen 4 ist auch der letzte versorgt. Meine erste Clerk (die nette) verabschiedet sich. Ich flüstere ihr ein „Teaching?“ zu, sie winkt ab. Sie ist also auch schon in Wochenendestimmung. Mein zweiter Clerk macht sich auch aus dem Staub und will nach Hause. Gut, ich diktiere meinen letzten Brief zu Ende. Als fertig bin, bin ich ganz alleine. Wo sind denn alle plötzlich hin? Wie dumm, da kann ich gar nicht fragen, ob noch was auf Station zu tun ist :-) Ich gehe zügig zum Spind und werde auch von niemandem aufgehalten. Endlich mal pünktlich Feierabend!

Draußen erschlägt mich fast die Hitze. Unglaublich, wie schnell sich das Wetter hier ändert. Strahlend blauer Himmel und geschätzte 26°C. Wie mir mein Clerk berichtet hat, reißen sich die Leute hier beim ersten Sonnenstrahl die Klamotten vom Leib. Und tatsächlich, in den 15min zum Hatcher House kommen mir 2 Typen oben ohne und ein Mädel im Bikini entgegen. Hier wird scheinbar jeder cm² zur Vitamin-D-Produktion benötigt.

Für den Abend haben wir uns mit Tony zum gemeinsamen Kochen verabredet. Er holt uns ab und wir fahren in einen gigantischen Supermarkt mit Verkostungsständen. Wir probieren ein Stück fluffigen Kuchen und eine neue Fischsorte. Eigentlich könnten wir hier immer zum Abendbrot hinfahren… Aber heute haben wir noch andere Pläne. In Tonys Wohnung mit Blick auf den Quidi Vidi Lake machen wir uns ans Werk. Es soll Schnitzel mit Kartoffeln und Mischgemüse geben, typisch deutsche Küche. Wir schälen fleißig die Erdäpfel und panieren das Fleisch (für mich ein Geflügeltier). Tony kommt immer wieder hungrig vorbei, weil es schon so lecker schnuppert. Unser Endergebnis kann sich echt sehen und vor allem essen lassen! Wir sind richtig genudelt, und brauchen einen Verdauungsspaziergang vorm Dessert. Wir gehen an den See und zeigen Tony das Outdorgym. Obwohl er schon seit Weihnachten keine 5 min davon entfernt wohnt, ist es ihm noch nie aufgefallen. Viel zu satt zum Krafttraining gehen wir lieber wippen und schaukeln auf dem benachbarten Kinderspielplatz. Zurück in der Wohnung kommt das Beste: „Would you like some strawberrys with icecream?“. Oh, yes! Tony zaubert frische Erdbeeren (natürlich gekaufte) aus dem Kühlschrank und wir dekorieren kräftig mit Fürst-Pückler-Eis. Wenn das mal nicht fantastisch schmeckt! Ich weiß, wovon ich diese Nacht träume. (Es ist nicht Tony)







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