2. Juli 2010:
Ausgeschlafen machen wir uns zu dritt (Clarissa begleitet uns) auf den Weg zum Gros Morne Mountain. Das ist der höchste Berg (806 m) im Park und die Strecke soll in 7 bis 8 Stunden gelaufen werden. Unsere Rucksäcke sind mit Proviant, Jacken, Kamera und Karten gut gefüllt. Wir laufen auf breiten Trampelpfaden durch den Nadelwald, später führen uns Holzplanken über sumpfige Gebiete, bis die Gegend immer karger wird. Am Decision Point sehen wir zum Gipfel rauf, der völlig in den Wolken verborgen liegt. Große Schilder weisen darauf hin, dass ein Aufstieg nur bei sicherer Wetterlage zu unternehmen ist. Aber umdrehen, wenn wir schon 4 km gewandert sind? Nö. Am felsigen Hang sehen wir Leute hochkraxeln, also geben auch wir uns einen Ruck und beginnen den Aufstieg. Nach wenigen Metern wird klar, dass es
dieser Berg in sich hat. Teilweise auf allen 4en krabbeln wir über das Geröll. Einige Steine sind recht wackelig, sodass Mini-Lawinen losgetreten werden. Wie ausgemacht, arbeitet sich jeder im eigenen Tempo vor. Nach der Hälfte merke ich die Anstrengung deutlich in den Oberschenkeln, aber ein toller Ausblick bestärkt zum Weiterkämpfen. Die Wolken ziehen immer mehr zu, wir klettern höher, es wird frischer. Auf einem kleinen Absatz treffe ich eine rastende 4er Gruppe, die mich gleich adoptieren will. Ich beschwichtige sie und erkläre, dass ich nicht allein unterwegs bin (Sophies Kopf taucht an der Kante auf). Am Ende des steilen Anstiegs finden wir noch ein kleines Fleckchen Schnee, das mutig dem Sommer trotzt. Wir schießen Beweisfotos. Endlich am Gipfel angekommen, packen wir die Sandwiches aus und erholen uns. Es ist wieder bitterkalt und extrem windig. Da wir praktisch in den Wolken stecken, beträgt unsere Sichtweite kaum 100m. Ins Tal können wir so nicht mehr schauen. Es sieht nun alles so aus, wie man sich N
eufundland vorstellt. Als Clarissa zu uns stößt, sitzen wir dick eingepackt, mit Handschuhen und Kapuze, da und frösteln. Wir beeilen uns mit dem Essen und treten schnell den Rückweg an. In weitem Bogen geht es (wieder über Geröll und Felsen) um den Berg herum. Mit zunehmender Vegetation steigen auch die Temperaturen wieder an. Schon fast im Tal treffen wir auf eine Gruppe Mediziner und machen eine kleine Keksrast. Bei Sonnenschein legen wir die restlichen Kilometer schnell zurück. Dennoch freuen wir uns, als uns die aufgeheizte „Electra“ erwartet.
In der Cabin treffen wir wieder auf Stefanie, die den Tag mit einer anderen Gruppe verbracht hat. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in den Ort um irgendwo Abendbrot zu essen. Die drei Mädels wollen unbedingt Moose-Burger (also Elch zwischen Brot gepresst) probieren, was die Auswahl an Lokalen einschränkt. Wir betreten nach längerem Marsch eine Art Bistro und fragen nach den Elch-Häppchen. Die Kellnerin ruft (ganz professionell) in die Küche: „Sag mal, haben wir Moose-Burger?“ Da keimt doch Hoffnung auf! Die Antwort aus der Küche können wir nicht verstehen, wir sollen aber Platz nehmen. Ich suche mir frischen Lachs mit Reis und Gemüse raus, die Mädels bestellen sich ihre Burger mit Pommes. Die junge Bedienung ist sichtbar überrascht, dass mal was unfrittiertes geordert wird. Wir lästern sogleich, dass hier wahrscheinlich überhaupt das erste mal jemand Fisch mit Reis bestellt. Nach wenigen Minuten kommt unser Essen. Mein Tier schmeckt super, man erkennt auch sofort, dass es einmal ein Lachs war. Die Mädels vermuten in ihren Buletten allerdings eher ein Rind als einen Elch. Den ultimativen Test – die Bestellung eines normalen (Rinder)Burgers – lassen wir allerdings wegen allgemeinem Sättigungsgefühl bleiben :-)
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