Samstag, 14. August 2010

Zettelwirtschaft

11. August 2010:

So schlimm, wie erwartet hat sich die Nacht am Ende doch nicht gestaltet. Weder die ungewohnte Geräuschkulisse noch die intensive Beleuchtung haben mein Schlafverhalten gestört.

Nach dem 15-minütigen Fußmarsch, der 30sec länger dauert, als damals von Hatcher, treffe ich etwas außer Atem auf meiner Station ein. Verschnaufen kann ich nicht, denn schon begegne ich einer neuen kanadischen Studentin. Geht die Clerkflut etwa in die nächste Runde? Karen macht einen griesgrämigen Eindruck. Ich versichere ihr sogleich, dass sie mich nur bis Freitag ertragen muss. Ihre Stimmung hebt sich dadurch etwas. Wahrscheinlich ist es die Vorfreude, bald allein mit den Residents zu visitieren. Übereifrig schnappt sie sich jedes Chart und scharwenzelt um Brian, bis mir fast übel wird. Als ich mit Colin einen Kaffee schlürfen will, fange ich schon den nächsten bösen Blick ein. Das kann ja heiter werden. Ich seile mich zeitnah in die Bibo ab, weder im OR noch in der Klinik ist heute Programm. Falls ein Teaching ansteht, will mich Colin dort aufsuchen.

Nebenbei besuche ich zweistündlich den Krankenhausdirektor. Nicht, weil er attraktiv oder supernett ist, nein, er hat unsere PJ-Formulare versaubeutelt. Vorbildlich habe ich die Zettel letzte Woche seiner Sekretärin in die Hand gedrückt, damit genug Zeit zum bearbeiten bleibt. Gestern wollte ich die Wische holen, da waren die unauffindbar. Bei meinem heute 4. Besuch

strahlt mich die Empfangsdame besonders einladend an und ich darf direkt zum Direktor durchlaufen. Er entschuldigt sich so überschwenglich, dass es mir fast schon wieder peinlich ist. Er klärt mich über die aktuelle (suboptimale) Personallage auf, und berichtet, dass unsere Zettel fälschlicherweise in die Box für kanadische Studenten geraten sind. Ich bin heilfroh, als ich endlich die gestempelten und mit Siegel versehenen Schriebse zu meinem Schließfach tragen kann.

Nachdem mein Tagesauftrag ausgeführt ist, verlasse ich gegen 3 PM das Krankenhaus und mache einen Abstecher ins Gym. Der restliche Abend gestaltet sich ohne unvorhergesehene Vorkommnisse…


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