15. - 18. August 2010:
Wir lassen uns Sonntag frueh per Taxi zum Flughafen von St. John's chauffieren. Dort werden unsere uebergewichtigen Taschen ohne Gemecker akzeptiert und auch der zusaetzliche Fressbeutel darf im Handgepaeck mitreisen. Nach nur 3 Stunden und Zwischenstopp in Halifax landen wir sicher in Montréal. Mit Expressbus und Metro bewaeltigen wir binnen einer Stunde die Strecke zu unseren Couchmaedels. Die Rue Berri befindet sich in einem der angesagtesten Viertel Montreals, kleine Balkone saeumen die Strasse, die Mietpreise liegen jenseits von gut und boese. Uns ist das egal, die 2 Naechte kommen wir kostenfrei unter :-)
Kaum im Wohnzimmer eingecheckt, ziehen wir auch schon mit Raphaelle los zum Mont Royal, dem Namensgeber der Stadt. Am Fusse des Berges versammeln sich jeden Sonntag unzaehlige Tam-Tam-Spieler. Jeder, der eine Trommel zu Hause hat, pilgert dort hin und haemmert rhythmisch drauf los. Die Nicht-Trommler legen sich entweder ins Gras und lauschen oder tanzen (nackt oder im Bikini) um die Musikanten. Ein ziemlich schraeges Bild, ein milder Grasduft haengt in der Luft.
Als wir genug von diesem Schauspiel gesehen haben, steigen wir weiter den Berg hinauf, vorbei an Slackline-Artisten und abenteuerlichen Ritterspielen. Erwachsene Montréaler verkleiden sich als Ritter, basteln sich Schild und Schwert und kaempfen todernst auf einer kleinen Wiese. Oben auf dem Mont Royal geniessen wir nur kurz den gewaltigen Ausblick ueber die Stadt, denn es faengt an zu regnen. Wir warten den Schauer ab und beginnen dann den Abstieg. Immer wieder beginnt es zu schuetten, sodass wir stets von einem Hauseingang zum naechsten Vordach springen. Irgendwann verziehen sich die Wolken und wir koennen in Ruhe durch die Stadt schlendern.
Langsam werden wir muede, der Jetlag schlaegt zu. Bei einem Italiener bekommen wir Lasagne und Cannelloni und liegen um 9 PM fix und fertig auf unserer Couch.
Montag: Nach 12 Stunden Schlaf, den wir dringend noetig hatten, beginnt ein neuer Tag in der franzoesischsten Stadt Kanadas. Wir leihen uns kostenlose Fahrraeder aus und erkunden die historische Altstadt. Auf einmal kommen uns die Strassen gar nicht mehr so lang vor. Leider sind viele der bekannten Gebaeude von Geruesten umhuellt oder die Statuen abgebaut, was fuer ein Fotomotiv denkbar ungeeignet ist. Mit frischem Baguette im Fahrradkoerbchen (so wie im Franzoesischlehrbuch) radeln wir zu einem netten Park und rasten dort. Wir beobachten eine aeltere Dame, die ihr Hausschwein ausfuehrt. Das Tier hat allerdings keine Lust, im Schlamm fuer einen Schnappschuss zu posieren.
Gegen 5 PM geben wir die Raeder zurueck und starten zur naechsten Runde Sightseeing. Wir schlendern zu Fuss ueber das Gelaende der McGill Universitaet und treffen mehr graue Eichhoernchen als echte Studenten auf der Wiese. In jedem Reisefuehrer werden die 33km langen Tunnel beschrieben, die fast alle Gebaeude (Uni, Kirchen, Wohnbloecke) miteinander verbinden. Unsere Couchmaedels, die in Montréal aufgewachsen sind, haben erst durch Touris vom unterirdischen Gangsystem erfahren. Eine Rolltreppe bringt uns nahe einer kleinen Kirche in die beruehmte Untergrundwelt. Und wirklich, so spektakulaer ist das jetzt nicht. Man hat das Gefuehl, in einer riesigen Shoppingmall gefangen zu sein und ich vermisse recht schnell das Tageslicht. Im Winter sind die Gaenge bestimmt von Vorteil, um nicht frierend durch die Strassen eilen zu muessen, aber im Sommer laufe ich lieber ueberirdisch.
Zurueck in der Rue Berri kochen wir (klassische deutsche) Spaghetti. Es wird ein kleines Festessen, denn frische Tomaten und Champignons haben wir uns gegeoennt :-) Raphaelle und ihre 2 agilen Frettchen leisten uns beim Essen Gesellschaft. Gegen 10 PM krabbeln wir in die Schlafsaecke und rollen uns auf der Couch ein.
Endlich Dienstag, lange haben wir diesen Tag herbeigesehnt! Zeitig sind wir schon munter und stopfen unser umfangreiches Bedarfsgut in die Taschen und Beutel. Wie kann das denn schon wieder mehr geworden sein? Zum Fruehstueck gibt es heute eine bunte Bagelauswahl. Myriam arbeitet im Bagelcafé und hat uns eine Tuete der Backwaren von Arbeit mitgebracht. Welch ein Genuss! Voller Energie schleppen wir wenig spaeter die monsterhaft schweren Taschen zur Metro. Nach ewigem Hin und Her finden wir die richtige Bushaltestelle zum Hostel, um unser Gepaeck zwischenzulagern. Im Eilschritt duesen wir zum Flughafen. Ein Blick auf den Bildschirm beruhigt uns: der Flieger der Jungs hat 15 min Verspaetug. Puh, Glueck gehabt. Eigentlich ist noch genuegend Zeit, um peinliche Empfangsplakate zu basteln, es findet sich aber kein geeignetes Material. Wir warten eine Stunde, bis Roebi und Tobi ihr Gepaeck entgegengenommen und die Passkontrolle heil ueberstanden haben. Auch ohne hochgehaltene Poster erkennen sie uns sofort. Das Wiedersehen nach 8 Wochen ist wunderbar! Da wir uns mittlerweile super mit den Bussen und Untergrundbahnen auskennen, sind wir schnell in unserem sympathischen Hostel mitten in der Altstadt. Nach einer Cappuccino-Pause wandern wir (noch einmal) auf den Mont Royal, heute ist die Sicht fantastisch! Wir umrunden den Berg und schlendern ueber die riesigen Friedhoefe. Dort suchen wir nach den Grabsteinen der Titanicopfer, werden aber nicht fuendig, 1000e Namen und Jahresdaten haetten wir durchforsten muessen. Nach einem Abstecher zum St. Joseph-Oratorium begeben wir uns auf Nahrungssuche. Uns schwebt etwas Stadt-typisches vor: Smoked Meat. Nach laengerem Speisekartendurchforsten werden wir in einem gemuetlichen Restaurant direkt neben unserer Unterkunft fuendig. Sophie und Tobi sind mutig und bestellen Poutine mit Smoked Meat. Die durchweichten und dann mit Kaese ueberbackenen Pommes (Chips) sehen rechtt unappetitlich aus, angeblich schmeckt der Haufen aber deutlich besser. Aus meinem Caesar Chicken Salad fische ich Unmengen an Smoked Bacon. Die grossen Stuecke lassen sich aber unproblematisch aussortieren. Es besteht Hoffnung, dass ich keinen bleibenden Schaden davontragen werde :-)
Mittwoch: Nach einem reichhaltigen Fruehstueck (Toast und Jam und Toast) flitzen wir mit der Metro zur bekannten Fahrradausleihstation. Ungluecklicherweise steht dort eine meterlange Schlange und es sind nur noch eine handvoll Raeder uebrig. Wir gehen leer aus. Unverrichteter Dinge ziehen wir wieder ab und erkunden Montreals Inseln zu Fuss. Neben dem architektonisch bemerkenswerten Biodom gibt es ein Olympia-Schwimmbecken zu sehen. Baden koennen wir dort selbst nicht, der Eintritt von 8 CAD ist nicht gerade sportlich. Wir brechen auf zur Altstadtbesichtigung. Sophie und ich bezahlen den Eintritt zur Notre-Dame-Basilika und sind ueberwaeltigt. Die blaue Decke imitiert einen Sternenhimmel, der Altar wird golden angestrahlt. Es ist unbeschreiblich! Kein Wunder, dass Celin Dion hier 1994 geheiratet hat. (Ist die mittlerweile schon wieder geschieden?)
Nach dem Kulturprogramm machen wir einen Abstecher auf einen Obst- und Gemuesemarkt. Wir erstehen superguenstige Aepfel und einen Beutel Paprika fuer 1 CAD. Sophie und ich sind von den Preisen begeistert, die Jungs koennen unsere Freude nur schwer nachvollziehen. Wir feiern den erfolgreichen Beutezug im Café Santropol. Die Strecke zurueck zur Metro ist schnell bewaeltigt, sodass der Umweg sum Supermarkt (Bier kaufen) bereitwillig eingeschlagen wird. Im Hostel bereiten wir uns ein 1-Dollar-Essen zu: Reis, Chili (mit echten Fleischstueckchen) und Dosentomaten finden sich im Schrank, die frischen Paprikaschoten sorgen fuer die persoenliche Note. Ein Kanadier traut sich, unsere Pfanne leer zu futtern und ist begeistert vom ''German Dinner''.
Den verbliebenen Abend diskutieren wir ueber die morgige Reisestrecke, die noetigen Besorgungen und die Zeltplaetze nahe dem Highway. Am Ende ist klar: wir versuchen etwas weiter als Quebec City zu fahren, werden 1x uebernachten, um dann auf Prince Edward Island ueberzusetzen. Dort soll es Straende mit rotem Sand geben...
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