Ein letztes Mal wache ich im lieb gewonnenen Hatcher House auf, am Abend werden wir ausziehen.
Gleich bei der Visite lasse ich mich fuer Dr. O'Deas Sprechstunde einteilen, damit die Schluesseluebergabe problemlos stattfinden kann. Ich sehe gerade meinen ersten (recht umfangreichen) Patienten, als die Residents anrufen. Sie brauchen mich dringend im OR. Ausgerechnet heute! Also tigere ich fix nach oben und haenge mich an den laedierten Patientenarm. Es gilt eine Humerustruemmerfraktur mit moeglichst vielen Naegeln und Platten zu richten. Puenktlich zur Lunchtime ist es vollbracht und ich sprinte wieder nach unten. Dort haelt Dr. O'Dea eines seiner beruehmten Teachings ab. Ich hoere aufmerksam zu und stelle ein paar kluge Fragen. Immer schoen Interesse bekunden, auch unter Zeitdruck :-) Meine Mission kann ich dennoch nicht erfuellen, der Schluessel geistert gerade mit Wonderful Wife durch die Klinik.
Der OR hat meine Muskelkraft auch fuer den naechsten Fall angefordert. Die ersehnte Schluesseluebergabe soll deshalb spaeter im OP stattfinden. Ich duese wieder nach oben, natuerlich ist die Anaesthesie noch nicht bereit und es vergeht eine gute Stunde, bis um 3 PM endlich gescrubt wird. Wir schrauben den Ex-Fix ab und beginnen mit der Wiederherstellung der knoechernen Beinstruktur. Praktischerweise muss nicht mehr viel geschnitten werden, die Tibia liegt ohnehin schon frei. Es wird gezogen, gebohrt, verplattet und natuerlich geroengt, was der Bildwandler hergibt. Ich habe mein linkes Auge zum Dr. O'Dea-Scan des Flurs abgestellt, um die Schluesseluebergabe ja nicht zu verpassen. Die Stunden eilen dahin, das Bein ist bald wieder als solches zu erkennen. Das Roentgenbild wird immer spektakulaerer. Gegen 7 naehe ich den Oberschenkel zu und wir uebergeben das restliche Chaos an die Plastics. Sehr beunruhigt versuche ich Sophie zu erreichen, mein Anruf ist nicht von Erfolg gekroent. Wo steckt sie nur und wo ist Dr. O'Dea? Ich will Dr. O’Dea anpagen (also anpiepsen) lassen, doch die Frau in der Zentrale weigert sich. Er ist nicht on call. Das weiss ich auch, sonst haette ich ja nicht die ganze Rennerei! Also zurueck in den OP, Mark suchen. Er hat gluecklicherweise die Handynummer auf seinem tragbaren Bildschirm (auf dieses technische Geraet ist er sehr stolz) und ich erreiche unseren Staff. Es stellt sich heraus, dass Dr. O’Dea den Schluessel zu Sophie ins St. Clares gebracht hat, als ich im Saal eingespannt war. Er entschludigt sich mehrfach, dass er mir keine Nachricht hat zukommen lassen und ich in Sorge war. Der Anruf tut mir fast schon wieder leid.
Mittlerweile geht es schon auf halb 8 PM zu, ich bin fix und alle und brauche Nahrung. Ich eile nach Hause und stopfe alle meine Sachen wild in Taschen und Beutel. Kurz darauf kommt Sophie abgekaempft aus dem Gym (ja, da haette ich auch sein wollen) und wir checken aus. Mit dem schwarzen Highlander geht es im Dunkeln nach St. Philips. Wir verfahren uns nur zwei Mal, dennoch ist es schon nach 10 PM, als wir unser Haus aufschliessen. Wir geniessen noch einen Gute-Nacht-Tee (aus dem pfeifenden Wasserkessel), bevor wir voellig erschlagen ins riesige Bett fallen.
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