2. August 2010:
Keine 12 Stunden später befinden wir uns mit Katharina schon wieder auf dem Highway No. 1. Bei Tim Hortons (natürlich Drive-Thru) wird gestoppt und wir lassen uns Kaffe, Smoothies und Boston Cream Donuts ganz bequem ins Auto reichen.
Unser erstes Ziel auf dem Baccalieu Trail ist die Stadt Dildo. Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, ist Dildo ein überaus niedliches Fischerdorf. Wir werfen einen Blick ins Heimatmuseum. Hier sind Wandtafeln und gebastelte Modelle zur Fischzucht und zu den Beothuk-Indianern ausgestellt. Ein weiterer Hingucker: der Riesen-Squid vor dem Eingang. In den 30er Jahren haben Fischer den 4Meter-Kraken gefangen und die Bewohner sind auch jetzt noch sehr stolz darauf. Als im Winter nix zu tun war, hat eine ABM das Ungeheuer nachgebaut. Es liegt jetzt neben Kapitän Dildo und wartet auf Touris, die Erinnerungsfotos schießen. Nach den obligatorischen Bildern (Krake und Ortseingangsschild) setzen wir unseren Weg Richtung Norden fort.
Nach einer kleinen Pause am Shag Rock passieren wir die herzallerliebsten Communitys Heart’s Desire und Heart’s Delight. In Hants Habour versuchen wir vergeblich einen Weg zum Leuchtturm zu finden, scheinbar ist dieser Küstenzipfel aber nur per Boot erreichbar.
Das nächste Ziel ist Grates Cove, dort soll man unbedingt die eindrucksvollen Steinwälle begutachten. Um nicht zweimal den gleichen Weg zu fahren, entscheiden wir uns für eine Strecke, die in der Karte orange gepunktet dargestellt ist. Ein bisschen verwundert bin ich schon, aber immerhin ist die Straße groß genug, um in meiner groben Karte aufzutauchen. Nach wenigen Metern ist der Farbwechsel klar: Asphalt geht in Schotterpiste über. Das Gelände wird unwegsamer, wir biegen um eine Kurve und plötzlich ist vor uns nur noch Geröll. Das ist doch keine Straße mehr, das ist ein ausgespültes Flussbett! Uns wird angst und bange. Ganz tapfer kriecht der Highlander nach oben. Er hätte auf dem Gros Morne Mountain sicher eine gute Figur abgegeben. Die Freude über die geschaffte Bergetappe währt nur kurz, ein riesiges Wasserloch versperrt den Weg. Ich fühle mich stark an Namibia erinnert und wate durch die Brühe. Der Untergrund ist nicht zu schlammig, das Wasser reicht mir kaum bis zu den Knien. Mit gemischten Gefühlen fahren durch. Meine Schuhe ziehe ich für die nächsten Kilometer nicht mehr an, die Straße ist mit zahlreichen Wasserlöchern geschmückt. Unglaublich, aber auf der Strecke kommen uns 2 Autos entgegen, die Fahrer ermutigen nicht aufzugeben. Es wäre nicht mehr so weit und die Straße würde auch bald besser werden. Die müssen es ja wissen. Nebel zieht auf und es wird merklich kühler. Wir sehen ein Autowrack und ein verlassenes, rostiges Fahrrad. Uns wird noch ein bisschen mulmiger, als wir in einiger Entfernung einen (wahrscheinlich illegalen) Schrotplatz ausmachen. Mit verriegelten Türen beeilen wir uns, schnellst möglichst von hier fortzukommen. Nach einer kaum enden wollenden Strecke sehen wir die ersten Häuser. Trotz Nebelschwaden kann man die alten Steinwälle noch erkennen. Aber hat sich dafür die lange Schinderei auf der Dirt Road gelohnt? Wir fahren die normale (rot markierte) Straße weiter und stellen fest, dass unser Schrottplatz in Sichtweite liegt. Wir hätten also auch deutlich stressfreier die Nebelbänke über den historischen Steinwällen besuchen können. Aber warum eine Asphaltstraße nutzen, wenn’s auch eine abenteuerliche Schotterpiste zur Auswahl gibt?
Auf einer gewöhnlichen Straße erreichen wir Habour Grace. Der Ort ist berühmt für seine alte Steinkirche, angeblich die älteste dieser Art ist. Scheinbar hatte das heilige Haus wirklich eine Generalüberholung nötig, denn es steckt komplet unter einem Gerüst und ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Wir drehen (per Auto) eine kleine Runde durch den Ort. Vor zig Jahren ist hier der erste Solo-Transatlantikflug einer Frau gestartet, eine Flugzeugnachbildung erinnert noch daran.
Es ist schon sehr spät, als wir in Cupids ankommen. Die kleine Stadt feiert dieses Jahr 400. Geburtstag und gilt als erste englische Siedlung in Kanada. Die Grundmauern der alten Gebäude wurden freigelegt und können besichtigt werden. Da der offizielle Eingang geschlossen ist, gelangen wir nur übers Nachbargrundstück an unser Ziel. Eindrucksvoller als ein paar gruppierte Steine sind allerdings die Johnannisbeerbüsche. Sofort haben wir die Idee für ein leckeres Dessert.
Als wir den Rückweg antreten, fängt es an zu schütten. Super Timing! In unserem gemütlichen Haus kochen wir Lachs, Hühnchen und peppen den Reis mit Tiefkühlerbsen auf. Zum Nachtisch gibt es Vanilleeis (das war zufällig im Frost) mit heißen Johannisbeeren. Ich glaube, das haben wir uns heute wirklich verdient :-)
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