7. August 2010:
Mit nur 15 Minuten Verspätung treffen Sophie und ich am Janeway-Parkplatz ein. Überraschenderweise sind die Jungs schon vor uns da und spielen Fußball. Nach so einer kurzen Nacht hätten wir das von Kanadiern bestimmt nicht erwartet. Sam, mit iPhone bestens ausgerüstet, weiß sogar, wo wir die Parking Lots für den "Spout" finden. Auto Nummer 1 stellen wir in Bay Bulls ab und fahren dann mit dem Highlander an den Anfang der 22
km langen Wanderstrecke. Die Parkfläche ist nur über eine kleine Schotterstraße erreichbar. Dank des vergangenen Wochenendausflugs stellt das aber keine große Hürde für uns da.
Mit aufgetragener Sonnencreme und kurzen Hosen beginnen wir unsere Wanderung bei bestem Wetter. Durch den Wald führt ein kleiner Weg zum East Coast Trail. Nach wenigen Metern tauchen die ersten Wasserlöcher auf. Ich glaube, ich habe ein Déjà vu! Wir hangeln uns an Büschen entlang oder springen von Stein zu Stein. Nasse Füße können wir auf so einer langen Strecke nun wirklich nicht gebrauchen. Als Sophie das erste Beweisfoto schießen will, kommt der Schreck: die Kamera weigert sich, die SD-Karte zu akzeptieren! Scheinbar ist einer der Kontakte beschädigt, ein Fotografieren ist nicht mehr möglich. Die arme Sophie ist todtraurig, nur die Aussicht mit Sam's Kamera knipsen zu dürfen, muntert sie etwas auf. Die Wasserlöcher verwandeln sich zu allem Überfluss in einen recht ansehnlichen Bach, wir klettern mühselig weiter durchs Gestrüpp.
Nach 2 Stunden haben wir die ersten 6 km bewältigt und biegen auf den East Coast Trail. Nun führt der Weg auf den Felsen entlang, das Meer haben wir stets in Sichtweite. Je weiter wir wandern, desto nebliger wird es. Vom Sonnenschein ist bald nichts mehr übrig. Etwa in der Hälfte der Strecke finden wir den sogenannten "Spout". Als "Spout" wird in Neufundland (oder vielleicht auch überall auf der Welt) die Wasserfontäne genannt, die Wale regelmäßig ausstoßen. Im Meer kann man einen Wal manchmal nur daran erkennen. Unser heutiger "Spout" ist eher eine Art Felsformation. Wenn die Wellen ans Ufer treffen, wird eine Wa
sserfontäne in die Luft geschleudert. Das Ganze soll bei optimalen Bedingungen eine Höhe von 20 m erreichen und an einen Island-Geysir erinnern. Obwohl die Wassersäule heute nur etwa 3 Meter schafft, sieht es trotzdem spektakulär. Dafür hat sich der lange Weg doch schon gelohnt!
Wir setzen unseren Hike fort und schon beginnt zu tröpfeln. Durch Matsch und Schlamm stapfen wir weiter. Vom Ozean sehen wir immer weniger, der Nebel verhindert die Sicht. Es beginnt kräftig zu regnen und auch als ich meine Jacke überziehe, hört es nicht auf (das klappt sonst immer!). In kürzester Zeit sind wir komplett durchnässt. Ich könnte schwören, ich hätte Fische in meinen Schuhen, so glitschig ist es mittlerweile. Und immer noch liegen 8 km vor uns. Wir treffen auf resignierte Wanderer aus der Gegenrichtung, die den Rückweg antreten wollen. 3 Stunden hätten sie bis dorthin gebraucht. Da keimt doch Hoffnung auf, es ist ja erst um 5 PM ;-) Heimlich überlege ich, wie ich meine Rucksackplane zum Notfall-Zelt umfunktionieren kan
n. Der Hike ist nicht unbedingt anstrengend - also kein Vergleich zum Gros Morne Mountain - aber durch das Wetter wird die Strecke beschwerlich. Nach 8 Stunden Wanderung lässt der Regen nach und ein Leuchtturm taucht im Nebel auf. Bay Bulls kann nicht mehr weit sein! Mit Mückenstichen, dicken Blasen, durchweichten Schuhen oder Knieschmerzen hat fast jeder zu kämpfen. Wir sind mächtig erleichtert, als wir das Auto auf dem Parkplatz wiederfinden. Nichts wäre schlimmer, als die Strecke zum Highlander noch einmal zu Fuß zu bewältigen!
Tom ist so nett und nimmt uns dreckig und nass wir alle sind, im Auto mit. Mit Sophie mache ich kurz halt beim Sobeys. Wir kaufen frisches Cod-Filet, was dann auch sofort in der Pfanne landet. Nach so einer Wanderung sind ein leckeres Essen und eine heiße Dusche einfach göttlich!
Freitag, 13. August 2010
Spout
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