22. Juni 2010:
Zu später Stunde doch noch eine kleine Meldung von der Ostküste. Das Wetter war heute den ganzen Tag nicht berauschend. Auf dem Weg zum Krankenhaus habe ich meine Handschuhe und Ohrenschützer arg vermisst. Aber morgen sollen ja -anlässlich des Deutschlandspiels- sonnige 23° werden.
Der heutige Tag war ähnlich konfus wie der gestrige. Allerdings gab es mit einer vegetarischen Pizza einen kulinarischen Höhepunkt zur Mittagszeit. Die Visite fiel sehr knapp aus, da Dienstags halb 8 ein orthopädisches Meeting stattfindet. Dort treffen die 2 Teams der Krankenhäuser (Sophie war also auch dabei) zusammen und diskutieren einen besonders spektakulären Fall. Besser gesagt, es wird ein Resident rausgepickt, der dann Rede und Antwort stehen muss. Das war echt hart, von allen Seiten kamen die Fragen geschossen und er hatte ganz schön zu rudern. Ich war heilfroh, dass wir verschont wurden. Nächste Woche kann sich das ganz fix ändern...
Danach habe ich mit Tony, einem Resident, Patienten in der Notfallambulanz angeschaut. Es gab eine beeidruckende subtrochantäre Femurfraktur bei einer 92-jährigen Dame (red. AZ) zu sehen, die dummerweise noch Zeugin Jehovas war. Das Fragment war so gekippt, dass es fast durch die Haut gespießt hat. Gruselig. Die Op wird sicher recht knifflig, da Transfusionen schon mal tabu sind. Als der ganze Schreibkram fertig war, sind wir wieder in die orthopädische Sprechstunde. Dort musste ich ins eiskalte Wasser springen und meine ersten Patienten allein befragen und untersuchen. Trotz anfänglicher Verständigungsprobleme (Wie nennt man denn z.B. die Zehenspitzen?!) habe ich herausbekommen, wo es weh tut. Dieser Dialekt kann einen echt in den Wahnsinn treiben! Eine Knieinjektion durfte ich zur Belohnung auch wieder geben. Besonders entspannt war des Gespräch mit einem 85-jährigen Engländer, der vor Jahren nach Neufundland übergesiedelt ist. Den habe ich nämlich super verstanden (andersrum auch). Mit Tony bin ich dann noch auf die Kardio um ein Knie anzugucken und mit Cortisol zu impfen. Dabei habe ich einen von den 12 deutschen PJlern getroffen, die sich angeblich im General Hospital aufhalten sollen. Laut Sekretärin ist St. John's eine kleine PJ-ler-Hochburg. So habe ich erfahren, dass das morgige Spiel in der Bibo vom Krankenhaus live übertragen wird. Nur für den Fall, dass ich den Heimweg nicht mehr pünktlich zum Anpfiff antreten kann.
Nach nur 2maligem Verirren im labyrinthartigen Gangsystem hat mich der liebe Tony (Röbi, jetzt bitte keine Eifersuchtsszene :-)) nach Hause gefahren. Welch ein Luxus!
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